Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 5-6 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 156 (sequence 18)
- Belongs to
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156 reh nur den Schriftvers berücksichtigt und die Halachah׳ gar nicht beachtet. Der ״Maimonides“ des Maureh wird gegen den ״Rambam der Mischnah Torah“ ins Feld geführt. Was Qrätz und seine Nachfolger dazu bestimmt hat, diesen Gegensatz mit möglichster Schärfe herauszuarbeiten, liegt auf der Hand. Sie reklamierten den Rambam des Maureh für sich, um zu beweisen, daß man bei einer wissenschaftlichen Begründung des Judentums die Halachah ruhig beiseite schieben dürfe, ja, daß die Halachah einer philosophischen Begründung der Gebote geradezu im Wege stehe, denn sonst hätte ja der größte Codificator der mündlichen Lehre nicht erklärt, daß er bei der Auseinandersetzung der Zweckgründe für die Gesetze nur die Bibel berücksichtige, die halachische Auslegung jedoch nicht mithineinziehe. Und da die Halachah sich religionsphilosophisch gar nicht begründen lasse, so könne man sich auch im praktischen Leben ruhig über sie hinwegsetzen. Die halachische Auslegung und Deutung der Gesetze könne doch nicht zum Wesensbestandteil der Gesetze gehören, wenn Rambam sie bei der wissenschaftlichen Deutung der Gesetze vollständig unbeachtet lasse, ja sogar zuweilen bemerke, er wisse wohl, daß die Weisen die Gesetze anders auffassen, er aber halte sich nur an den Schriftvers. Wären תורה שבכתב und תורה שבע״ם eine organische Einheit, so wäre an eine solche Zweiteilung gar nicht zu denken. Dieser Mißbrauch des Maureh seitens der wissenschaftlichen Begründer der Reform erklärt uns vielleicht einigermaßen die Schärfe, mit der sich S. R. Hirsch זצ׳ל gegen den Maureh wendet,!eine Schärfe, die, wie ich gestehen will, von allen Verehrern S. R. Hirsch’s זצ״ל peinlich empfunden wird. Man begreift heute kaum, wie Hirsch einen Moses b. Maimon und einen Moses b. Mendel in einem Atemzug nennen konnte! Sie kann nur erklärt werden aus der Kampfesstimmung der Zeit heraus, in der die Neunzehn Briefe erschienen sind. Eine Wissenschaft des Judentums, die von dem nachmendelssohnisehen Kreise ausging, suchte den Abfall jüdisch-wissenschaftlieh zu begründen und zu erhärten. Geschichte, Religionsphilosophie, Literaturgeschichte und Bibelforschung wurden gepflegt, um aus all diesen Disziplinen die Berechtigung einer Reform des Judentums zu beweisen. Die Bibel wurde gegen den Talmud ins Treffen geführt und als oberster Schutzherr dieser ganzen Bestrebungen wurde der Rambam, oder richtiger, der Maimonides des Maureh proklamiert. Und wenn man den Mau-