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Nahalat tsevi · 1932-03-01 · Heft 5-6 (März 1932) · p. Seite 153

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 5-6 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 153 (sequence 15)
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153 Paragraphen oder auch den Motivenbericht als Quelle anspricht. In concreto hieße das, ob man nur aus dem Wortlaut der paragraphierten Halacha Schlüsse zieht, oder ob auch das Votum der — sit venia verbo — ganzen Tendenz der Thora in die Wagschale zu legen ist. Wir wüßten keine präzise Uebersetzung für das was man דעת התורה nennt. Freilich gehört ein außerordentlich umfassendes Wissen und ein außerordentlieh klarer Geist dazu, um bis zur Erkenntnis — eine Erkenntnis, nicht nur eine Kenntnis ist es, — der Linien dieser Tendenz, dieser דעת התורה vorzudringen. Das jüdische Volk hatte dafür stets ein sehr feines Empfinden und hat auch die größte Summe positiver Kenntnisse als allein autoritätsbildend abgelehnt. Das ist füglich der Sinn des scharfen Ausspruches von der Wertlosigkeit des Talmid Chochom, dem die דעה fehlt. Historisch vollzog sich eigentlich der Vorgang so, daß die weitanschauungbildenden Momente in der Mussar-Literatur ihren Niederschlag fanden. Es sei jedoch darauf hingewiesen, daß R. M. Isserlin, wie schon Aron Marcus so richtig bemerkt, die ganze Quintessenz der Thoratendenz an die Spitze des Schulchan Aruch gestellt hat, also einer unbestreitbaren Halachaquelle. Man muß immer wieder auf den grandiosen Versuch des Chofez Chaim hinweisen, der die דעת התורה, um das Wort zu gebrauchen, halachisch fixierte. Daraus erklärt sich auch die zauberhafte Wirkung seiner Werke, namentlich auf die Jugend, die in ihm mit Recht die Verkörperung einer halachisehen Autorität auf dem Gebiete der jüdischen Weltanschauung, der Weltanschauung, wie sie an Hand der Thora gebildet wird, zu erblicken gelernt hat. Paragraphieren freilich läßt sich das ganze Gebiet der דעת התורה nicht, weil das eine Paragraphierung des ganzen Lebens bedeuten würde. Es ist wirklich nicht zu kühn, wenn man dieses Gebiet als die Reservation der mündlichen Lehre bezeichnet. Aber fast nie ist es möglich, Stellung, namentlich entscheidende Stellung, zu irgend einer komplizierten Frage ohne Befragung der דעתן התורה zu nehmen. Das ist der Sinn des Rabbi nischen Rate sderAgu das Jisroel. Früher und auch wohl noch heute, wenn das Leben Probleme bietet, welche Analogieschlüsse verlangen, wandte sich der zuerst Befragte an andere Rabbiner, und so entstand die fast unübersehbare Welt der Responsen-Literatur. Heute gibt es mehr Fragen der Allgemeinheit. Klall Jisroel fragt und

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