Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 5-6 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 150 (sequence 12)
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m Deiner Hand, der vollen, offenen, heiligen, reichen, damit wir nicht entehrt und beschämt werden alle Zeit“ — je mehr das Judentum geradezu zur Religion des sozialen Fortschrittes geworden ist und die Worte unseres Propheten ״Wehe denen, die Haus an Haus, Acker an Acker reihen, bis sie allein ansässig sind im Lande!“ ihren Weg gefunden haben bis in die Predigten christlich-sozialer Pfarrer hinein, die im Gegensatz zu den grundlegenden Tendenzen des neuen Testaments auf die alte jüdische Bibel zurückzugreifen den Mut gefunden haben, bis hinein in die Schriften der Bodenreformer, deren Führer, Henri George und Damaschke, sich mit vollem Bewußtsein als die Durchführer der sozialen Gedanken unserer Bibel empfinden. Je stolzer wir Juden auf unsere alttestamentalische Zedoko sind, die wir nicht als Almosen, sondern als Gerechtigkeit empfinden, und je mehr wir innerlich überzeugt sind, daß der Geist dieser jüdischen Gerechtigkeit einmal das uns verheißene Gottesreich auf Erden verkünden wird —: desto energischer müssen wir es uns verbitten, daß man eine Weltanschauung, die im schroffsten Gegensatz zum Judentum die ganze Weltgeschichte materialisiert, als jüdisch bezeichnet, daß man vom jüdischen Marxismus spricht. Der wahre jüdische Marxismus wird von Israels Religion verkündet, von der sich Karl Marx schon in jungen Jahren losgesagt hat. Der wahre jüdische Marxismus will nicht ökonomische Tatsachen an die Stelle metaphysischer Lehren setzen, sondern gerade im Gegenteil auf Grund des lebendigen Glaubens an die Gemeinschaft der Menschheit in Gott einem jeden zur Entfaltung seiner Menschlichkeit und zur Teilnahme an den gemeinsamen Kulturaufgaben nach Maßgäbe seiner Kräfte verhelfen. Da hat Walther Rathenau irr! seinem Buche ״Zur Mechanik des Geistes“ ein wahres jüdisches Wort gesprochen: ״Nicht Einrichtungen, Gesetze und Men-; sehen schaffen das neue Leben, sondern Gesinnungen; den; Gesinnungen des neuen Lebens aber folgen widerstandlos 1■ Einrichtungen, Gesetze und Menschen“. Wäre Rathenau ein ebensolch großer Jude gewesen, wie er ein großer deutscher Mensch gewesen ist, dann hätte er nicht verfehlt an dieser Stelle des Buches auf eine talmudische Stelle hinzuweisen, die seine Gedanken noch viel schöner und treffender zum Ausdruck bringt: ״Zwei Brüder wohnten auf dem Berge Moria. Der eine war Vater von Kindern und der andere —