Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 5-6 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 149 (sequence 11)
- Belongs to
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149 Politik, Wissenschaft und Kunst, Kirche und Religion bloß als Ueberbau des wirtschaftlichen Lebens zu begreifen sind, daß bei einer Betrachtung und Bewertung des menschlichen Gepieinschaftsiebens der subjektive, seelische Faktor jemals übersehen werden dürfte. — Dieses Uebersehen des seelischen Faktors, dieser fundamentale Konstruktionsfehler des marxistischen Gedankengebäudes, ist von keinem anderen so schärf gerügt und verhöhnt worden wie von einem jüdischen Gegner des Marxismus, von Gustav Landauer in seinem Aufruf zum Sozialismus (S. 47 f.): ״Der Marxismus ist der Philister, und der Philister kennt nichts Wichtigeres, nichts Großartigeres, nichts, was ihm heiliger ist als die Technik und ihre Fortschritte.... Stelle einen Philister vor den christlichen Religionsstifter und vor eine neue Maschine zur Fortbewegung von Menschen und Sachen: Er wird, wenn er ehrlich und kein Bildungsheuchler ist, das gekreuzigte Menschentum eine total unnütze und überflüssige Erscheinung finden und hinter der Maschine herlaufen. Und doch! Wie viel gewaltiger ist die Bewegung, die von diesem Menschen ausgegangen ist, als alle Bewegungsmaschinerien unserer Tage!.... Hier nun, wo wir die grenzenlose Verehrung des Gevatters Fortschrittler vor der Technik sehen, lernen wir die Herkunft dieses Marxismus kennen. Der Vater des Marxismus ist nicht das Geschichtsstudium, ist auch nicht Hegel, ist weder Smith noch Ricardo, noch einer der Sozialisten vor Marx, ist auch kein revolutionär-demokratischer Zeitzustand, ist noch weniger der Wille und das Verlangen nach Kultur und Schönheit unter den Menschen. Der Vater des Marxismus ist der Dampf. Alte Weiber prophezeien aus dem Kaffeesatz. Karl Marx prophezeite aus dem Dampf.“ V. Was Gustav Landauer hier über den Gegensatz zwischen Marxismus und Christentum sagt, das gilt mit noch viel großerer Berechtigung für den Gegensatz zwischen Marxismus und Judentum. Denn je weniger das Judentum die besitzesfeindlichen Tendenzen des Christentums mitmacht, je mehr das Judentum bestrebt ist, die sozialen Lehren der Thora in das wirkliche Leben einzuführen, und je mehr wir Juden gewohnt sind, den sittlichen Wert wirtschaftlicher Unabhängigkeit in unserem täglichen Tischgebete auszusprechen: ״Lasse!uns nie bedürfen der Gabe, noch des Darlehens von Menschenhand, sondern nur