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Nahalat tsevi · 1932-03-01 · Heft 5-6 (März 1932) · p. Seite 147

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 5-6 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 147 (sequence 9)
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14T nes Lebens entschädigen wird. Da drüben gibt es gar nichts. Ich kann es Dir wissenschaftlich nachweisen, daß Deine naive Vorstellung von Gott und vom Jenseits völlig unhaltbar sind, daß Dein kindlicher Respekt vor dem Christentum ein lächerlicher Klosterglaube ist, soll ich Dir sagen, wie Deine Achtung vor dem Kirchenglauben entstanden ist? Sie ist das Opium, mit dem die Bourgeoisie Dich eingeschläfert hat, lieber Freund! ״Der dort drüben in Hoffahrt und Schwelgerei lebt und Gold macht aus Deinem Hunger und Kummer“, der weiß genau, daß er nur solange in Ruhe und Frieden seinen Reichtum genießen kann, als Du ihm seine Ruhe nicht raubst und seinen Frieden nicht störst. Darum ist ihm sehr daran gelegen, daß Du recht fromm und demütig bist, fleißig in die Kirche gehst und in Erwartung jenseitiger Freuden Dich mit Deinem diesseitigen Lose abfindest. Icn aber sage Dir: Die einzig wahren Werte sind die materiellen Güter dieser Welt. Das Gesamtleben der Menschen ist und war seit je wesentlich wirtschaftlicher Natur. Das Bestimmende in allen gesellschaftlichen Zuständen sind die ökonomischen Verhältnisse. Aus dem Besitze quillt alle Kultur, wirtschaftliche Dinge sind’s, die für alle Tätigkeiten die letzten Motive bilden. Staat und Politik, Wissenschaft und Kunst, Kirche und Religion —: Sie alle sind nichts anderes als gehorsame Trabanten des Mammons, Auszweigungen des;ökonomischen Lebens, Symptome und Begleiterscheinungen der jeweiligen materiellen Zustände. Wer nichts hat, wer materiell entrechtet ist, der mag der größte Denker und Künstler sein, er ist ein elender Lohnsklave, der nichts hat als seine Ketten. Gleichwohl brauchst Du nicht zu verzweifeln, lieber Hilse. Ich nehme Dir den jenseitigen Himmel, dafür gebe ich Dir den; diesseitigen Himmel. Die Welt, in der Du heute lebst, diese kapitalistische Welt mit ihrer frevelhaft ungerechten Güterverteilung, sie ist in Wahrheit nur eine Weltperiode, deren Ende unmittelbar bevorsteht. Das Weltgericht naht. Wie lange dauert’s, und eine Revolution bricht aus, die an die Stelle der scheinheiligen Klassenmoral der heutigen Gesellschaft die bessere Gerechtigkeit setzen wird. Eine goldene Zukunft steht Dir bevor, das Reich des neuen Gottes, es kommt, es kommt mit eherner Notwendigkeit. Je schlimmer die Zeiten werden, um so rascher nähern wir uns dem Ende.“- Der alte Hilse hat nicht alles verstanden, was ihm der Marxismus vordoziert hat, er ist schon zu alt, um auf seine

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