Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 5-6 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 145 (sequence 7)
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145 Besitzlosen sich ergeben, jene Anschauung des Qoethe’schen Schatzgräbers: ״Armut ist die größte Plage, Reichtum ist das höchste Gut“ — fand ihren mächtigen Gegner in der philosophischen Ethik eines Platon, eines Demokrit, die da lehrten, daß das wahre Glück, die ״Eudämonie“, nicht beruhe auf irgend welchen Gaben des Zufalls, sondern auf der Zufriedenheit des ״Dämon“, des Gottes in der Menschenbrust, — daß wir den Tyrannen nicht beneiden dürfen um seine goldgefüllten, aber mit Blut befleckten Hände. Diese griechischen Lehren einer antimammonistischen Lebensanschauung fanden in der Zeit, die nach dem Tode Alexanders des Großen einsetzte, mächtigen Widerhall, weil in dieser Zeit allgemeine!* politischer und sozialer Zerrüttung und Verwirrung die Glücksgöttin als das launenhafteste Wesen sich erwies, unfähiger als je, das Gefühl der Dauer, der Sicherheit zu begründen; aber erst auf dem Boden Palästinas haben sie durch die Lehren des Urchristentums jene religiöse Begründung und Vertiefung erfahren, die ihnen die Kraft verlieh, während des ganzen Mittelalters die christliche Welt restlos zu beherrschen. Dieser aus dem Judentum hervorgegangene Christliehe Antimammonismus der sich im christlichen Mönchtum bis zur Forderung völliger Zurückziehung aus dem wirtschaftlichen Leben steigerte, er hat Jahrhunderte hindurch den gläubigen Christen beherrscht. Aus den Schrecknissen und Wonnen einer jenseitigen Welt strömte Jahrhunderte hindurch für den christlichen Menschen eine Flut vor! Schauder und Licht, von Todesangst und höchster Seiligkeit in das arme, verworrene Diesseits hinein; und hinter der quälenden Frage, was der Mensch zu tun habe, um einst vor dem jenseitigen Gerichte zu bestehen, tritt die j Sorge um das irdische Gut nicht nur zurück, sie scheint sogar eine furchtbare Gefahr zu bilden für die Konzentrierung; des Denkens und Sinnens auf das einzige, was not tut, auf das Jenseits und die Vorbereitung für das Gericht. Daher der Rat an den Jüngling, der der Seligkeit teilhaftig werden will : ״Gib alles, was du hast, den Armen und folge mir nach“; daher die Ueberzeugung, daß kein Reicher ins Himmelreich komme, so wenig wie ein Kamel durch ein Nadelöhr; daher die Lehre, daß man nicht zwei Herren zugleich dienen könne, Gott und dem Mammon. — Und wer möchte leugnen, daß dieser Christliehe Antimammonismus mit seiner Vertröstung der Armen und