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Nahalat tsevi · 1932-02-01 · Heft 4 (Februar 1932) · p. Seite 125

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 4 (Februar 1932)
Date
1932-02-01
Page
Seite 125 (sequence 28)
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125 keit des Verzeihens nachzueifern haben. Ein solch offenes, mutiges Bekenntnis räumt jedes Hindernis fort. Die Greuel des Wahlkampfs stehen nicht mehr zwischen ihm und uns. Sind nun die Beziehungen nicht mehr seltsam? Sie sind es noch. Denn sie waren es bereits, noch ehe der Wahlkampf ausbrach. Nicht der Wahlkampf hat die Beziehun gen zu seltsamen gemacht, sondern umgekehrt: die Seltsam keit der Beziehungen hat erst diesen Wahlkampf ermöglich(. Wir haben in Deutschland eine offizielle Ortodoxie und haben die orthodoxen Einzelnen. Unter den orthodoxen Einzel nen besaß Rabbiner Raphael Breuer zahlreiche glühende Vereiner. Eine gewaltige Zahl wahrhaft erschütternder Kundge bungen anläßlich seines Heimgangs liegt vor, die dies unwiderleglich beweist. Aber die Stimme dieser orthodoxen Ein• zelnen gelangt nicht auf die Tribüne der offiziellen Orthodoxie. Es sind die Stummen im Lande. Ihnen erteilt der Heimgang Rabbiner Raphael Breuers eine aufrüttelnde Lehre. Auf die Dauer ist es ein unerträglicher, ein verheerender Zustand, daß die öffentliche orthodoxe Meinung infolge einer unendlich weit verbreiteten Scheu vor der Oeffentlichkeit von verhältnismäßig Wenigen diktatorisch beherrscht wird. Nur im Feuer der Oeffentlichkeit können Menschen zu Persönlichkeiten geschweißt werden. Das wahrhaft orthodoxe Wollen ist stets ein Gemeinschaftswollen. Bereits leidet das orthodoxe Judentum Deutschlands an einem schreckenerregenden Mangel an Menschen, die der Gemeinschaft zur Verfügung stehen. Die Omnipotenz und Ubiquität Weniger hat Nachwuchs nicht recht aufkommen lassen und kaum auf Erzielung von Nachwuchs hingewirkt. Möge der Heimgang Rabbiner Raphael Breuers die orthodoxen Einzelnen an ihre Pflicht gegenüber der Gemeinschaft mahnen und ihrer Flucht aus der Oeffentlichkeit ein Ende bereiten. Während aber gewissermaßen inoffiziell die große Persönlichkeit Raphael Breuers durchaus kein Geheimnis war, hat die offizielle Orthodoxie von ihr bis zur Stunde des Heimgangs keine amtliche Kenntnis genommen. Und hierin liegt allerdings der Kern der Tragödie. f 7. Die deutsche Orthodoxie, wie überhaupt die Gegenwart, ist arm an Persönlichkeiten. Gleichwohl hinterläßt Rabbiner

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