Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 124 (sequence 27)
- Belongs to
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124 ein lautes Schuldbekenntnis. Weil die Gesamtheit an der Schuld der Einzelnen mitträgt, die Gesamtheit für sie mitverantwortlieh ist. Und so wollen wir, die deutsche Orthodoxie, laut und offen, ohne Umschweife, ohne Beschönigung und ohne Bedingung aussprechen: Wir haben uns während des Wahlkampfes schwer an Rabbiner Raphael Breuer, in Aktivität und Passivität, versündigt und haben von ihm Verzeihung zu erbitten. ln Aktivität. Wir haben diesem Manne, geblendet von der Leidenschaft der Stunde, die Krone der Thora vom Haupt gerissen. Wir haben, weil die Hitze der Stunde alle Liebe unseres Herzens verzehrte, voll Haß sein Leben durchwühlt und jede Schwäche zur Katastrophe, jeden Fehler zum Verbrechen gestempelt. Wir haben, weil ein innerer Dämon uns beherrschte, selbst das Aeußerste nicht verschmäht und ihm ins Gesicht geschleudert, daß es die schwersten religiösen Bedenken seien, die uns daran hinderten, ihm unsere Stimme zu geben. In Passivität. Wir haben die Schmähungen gehört und haben dazu geschwiegen. Wir haben das Wort nicht gefunden, da zu reden unsere Pflicht war. Haben Einhalt nicht getan, da Untätigkeit uns mitschuldig machte. Haben im Zimmer vielleicht widersprochen, da wir öffentlich hätten auftreten müssen. Sparten uns auf, Verehrung und Dankbarkeit dem Toten zu bekunden, da der Lebende, in seiner Not, vielleicht nach einem kleinen Wort der Liebe dürstete. Stützten ihn nicht, stärkten ihn nicht, sprachen ihm Mut nicht zu, da Riesenkraft sich verausgabte, um dem Ansturm standzuhalten. Und verließen uns darauf, er werde es schon schaffen. Er hat es geschafft. Er ist, in seinem schweigenden und liebenden Verzeihen, Sieger geblieben. Sieger gegen wen? Gegen die deutsche Orthodoxie. Das gehört schon zur Tragödie. Doch ihr Kern ist es nicht. 6. Wir haben unsere Schuld bekannt, und er hat uns verziehen. Denn er weiß, daß jüdische Menschen Gott in der Grenzenlosig-