Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 123 (sequence 26)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2551369-2551378-2551382--0602-2552097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
123 menschlichen Strebens, wie selten einer in unserer Zeit, zu erreichen vermocht. Ein überreiches Leben also. Warum dennoch eine erschütternde Tragödie? Warum? 4. Gewiß: jung an Jahren ging er von uns. Aber ein solches Leben zählt nicht nach Jahren, sondern nach Tagen, nach Stunden. Ein solches Leben will nicht gemessen, sondern gewogen sein. Und ganz gewiß: sein Wunsch, dem nur und nur von der heißen, der liebenden Sorge um die Zukunft seiner Gemeinde diktierten Willen seines Vaters זצ״ל entsprechen zu können und den Rabbinersitz Samson Raphael Hirschs זצ״ל einzunehmen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Das hat ihm weh ge־ tan. Aber bringt es nicht das Leben mit sich, daß gerade unsere innigsten Wünsche vielfach uns versagt bleiben? Mußte er nicht, gerade im Bewußtsein voll getaner Pflicht, alles weitere Gott anheimstellend, die Kraft der Entsagung finden? Raphael Breuer besaß diese Kraft und betätigte sie. Zudem vernichtete nicht erst sein Heimgang die Erfüllung. Warum dennoch eine erschütternde Tragödie? Warum? 5. Da ist freilich der Wahlkampf. Nicht die Tatsache des Unterliegens, sondern die Umstände, unter denen es sich vollzog; die eigenartigen, die höchst sonderbaren Umstände. Müssen wir uns auch darüber aussprechen? Müssen wir? Es muß sein. Die Wahrhaftigkeit, die wir dem großen Toten schulden, gebietet es. Keine Versöhnung ist möglich, wenn es nicht geschieht. Und Versöhnung wollen wir; nichts anderes. Diese Umstände dürfen nicht zwischen ihm und uns, der deutschen Orthodoxie, hemmend bestehen bleiben. Und vielleicht wird es sich, sind sie erst einmal fortgeräumt, herausstellen, daß sie gar nicht den Kern der Tragödie bildeten. Es muß also sein. Aber tun wir es mit aller Vorsicht; wie Menschen pflegen, die ein Zerwürfnis nicht vertiefen, sondern beseitigen wollen; wie er es getan hätte, wenn wir je den Weg zu dem Lebenden gefunden hätten. Am Versöhnungstage spricht immer nur die Gesamtheit