Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 121 (sequence 24)
- Belongs to
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131 Noch brennt die Wunde und wühlt der Schmerz. Aber die Wahrhaftigkeit, in deren Dienst unsere Zeitschrift steht, die Wahrhaftigkeit, deren gewaltiger Künder der Heimgegangene war, reißt uns aus sinnender Wehmut empor und zwingt uns zur Erörterung einer Frage, die heute gewiß Vielen auf der Zunge schwebt. Diese Erörterung muß unter allen Umständen stattfinden, und sie geschieht besser gleich als später. Die vielfachen Kundgebungen der Trauer um unseren Toten, die laute Anerkenntnis seines Wertes und seiner Bedeutung dürfen die Frage nicht ersticken. Trauer und Anerkenntnis können die deutsche Orthodoxie nicht der Antwort entheben. Eine gewissenhafte Antwort aber vermöchte der!erste Schritt zu einem Umschwung zu sein. Kein würdigerer Nachruf wäre unserem Toten denkbar. Die Frage aber lautet: Wie kommt es, daß zwischen Rabbiner Raphael Breuer und der deutschen Orthodoxie so seltsame Beziehungen bestanden? % Die Frage nimmt manches vorweg. Sie unterstellt ohne weiteres, daß diese Beziehungen seltsam, sonderbar waren. Wagt es jemand zu bestreiten? Die Art, wie die deutsche Orthodoxie die Kunde des plötzlichen Heimgangs aufnahm, spricht Bände. So fühlt man nur, wenn zu Lebzeiten manches, vieles sogar, nicht in Ordnung war. Wie wenn jemand von dannen zieht, der einem nahe, der einem ganz nahe stand, mit dem man aber ein Zerwürfnis hatte, das niemals durch eine befreiende Aussprache behoben worden ist. Zwischen Raphael Breuer und der deutschen Orthodoxie hätte eine Ausspräche stattfinden müssen. Nun ist der Tod dazwischen getreten. Trauer und Anerkenntnis aber können eine Aussprache nicht ersetzen. Eine solche Aussprache möchte hier nachträglich angebahnt werden. Sie käme spät; aber sie käme nicht zu spät. Auch mit Heimgegangenen kann man sich aussprechen. Mensehen wie Raphael Breuer stehen selbst im Tode noch Rede und Antwort. ' Und sie soll seiner würdig sein. Wappnen wir uns mit der Ruhe, die er stets hatte, wenn beladene Menschen zu ihm kamen. Bannen wir jeden Haß; denn er kannte ihn nicht. Weisen wir jede Kleinlichkeit fort; sie war seinem Wesen