Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 118 (sequence 21)
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118 nung auf das Ungeahnte, es war der geheimnisvolle, unwiderstehliche Glaube an das Wunderbare, das ihn die Kühnheit seines Unternehmens vergessen ließ und schließlich den Sieg des Gelingens an seine Fahne heftete. Ist es nicht tief bedeutsam, daß die heilige Sprache ״Fahnen“ und ״Wunder“ mit demselben Worte נם־ם bezeichnet? Und wenn nun in unserer Zeit ungezählte Menschen mit fanatischem Glauben einer Fahne folgen — mag diese Fahne mit einem Stern oder einem Kreuz geschmückt sein — ist dieser fanatische Fahnenglaube kein Wunderglaube? Nur Wunderglaube kann Menschen restlos einer Idee verhaften. Nur Wunderglaube kann über die Zukunft die Gegenwart vergessen lassen. Nur Wunderglaube starrt auf das Ziel und überschaut den Weg, der ihn vom Ziele trennt. Kampf gegen den Individualismus und Wunderglaube: das sind die beiden Dinge, die der rationale und soziale Radikalismus unsrer Zeit der religiösen Idee entlehnt hat, um sie in verzerrter Form in den Dienst seiner Zwecke zu stellen. Was ihn aber vom Judentum und seiner religiösen Idee zutiefst unterscheidet, was ihn in solch unheimlicher Weise befähigt, den natürlichen Enthusiasmus der Jugend zu einem geradezu neurotischen Fanatismus aufzustache ln, das ist die Vergötterung von Macht und Gewalt, mit deren alleiniger Hilfe er ans Ziel zu kommen hofft Der Weg zu diesem Ziele ist mit Blut und Eisen gezeichnet und mit ״rollenden Köpfen“ besät. Hier ist der Punkt, wo sich der Radikalismus der Gegenwart mit dein Geiste Edoms, mit שרו של עשו begegnet. Hier ist aber auch der Punkt, wo er die Phantasie der Jugend entzündet, indem er sie mit Trugbildern eines schöneren Lebens und einer gerechteren Weltordnung erfüllt. Denn warum sollten wir uns darüber täuschen? Auch die j üd is ch e Jugend von heute ist vielfach revolutioniert und radikalisiert. Ungezählte jüdische junge Menschen, unter ihnen auch solche, die vom Chassidismus ausgegangen sind und beim Zionismus übernachtet haben, sind in den letzten Jahren mit fliegenden Fahnen ins radikale Lager abgeschwenkt. Sie ist verbittert und verzweifelt, diese Jugend. Wie sie es war, die ihre Schultern hergeben mußte,um die Last des Krieges zu tragen, so runt auch die Wirtschaftskrise der Gegenwart vor allem auf ihren Schultern. Hunderttausende von jugendlichen Arbeitslosen liegen heute auf der