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Nahalat tsevi · 1932-02-01 · Heft 4 (Februar 1932) · p. Seite 117

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 4 (Februar 1932)
Date
1932-02-01
Page
Seite 117 (sequence 20)
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117 Dieses עדות בי ה וסף ist heute unentbehrlicher als je, weil der Radikalismus des 20. Jahrhunderts unseren Kindern gefährlicher ist, als der Rationalismus des 18. und 19. Jahrhunderts uns selber war. Mehr als je gilt für unsere Zeit das Wort des Jesaias (24,6): ״ אלה אכלה ארץ ויאשמו ישבי בר, על כן הרו ישבי ארץEin Fluch lastet auf der Erde, weil ihre Bewohner schuldbeladen sind, deshalb verzehren sich in Glut die Bewohner der Erde.“ Was ist denn das für ein Fluch, der auf der Erde lastet? Was ist das für eine Schuld, mit der ihre Bewohner sich beladen haben? Was ist das für eine Glut, in der die Menschen sich verzehren? כי עברו תורת חלפו חק הפרו ברית עולם ״Sie haben die Lehren übertreten, sie haben das Gesetz vertauscht, sie haben den Bund der Ewigkeit vernichtet.“ Nicht mehr wie in den Tagen des Rationalismus ist es heute der Gott des überlieferten Judentums allein, der entthront werden soll. Es ist der Gott des Himmels und der Erde, der aus dem Bewußtsein der Menschen getilgt werden soll. Es ist die reiigiöse Idee als solche, die entwurzelt werden soll. Es; ist ברית עולם ein Welten־ bund, der vernichtet werden soll. Der nationale und soziale Radikalismus unserer Zeit ist aber unseren Kindern deshalb so gefährlich, weil er die Thora mit ihren eigenen Waffen zu schlagen sucht, weil er dem Judentum und seiner religiösen Idee zwei Dinge entlehnt hat, die der Nationalismus niemals besaß, um sie in verzerrter Form in den Dienst seiner Zwecke zu stellen. Da ist vor allem der Kampf gegen den Individualismus. Der einzelne Mensch wird von dem Radikalismus unserer Zeit bedenkenlos geopfert, wenn das Interesse des Ganzen es gebietet. Stellt jemand eine Behauptung auf, dann fragt dieser Radikalismus nie: ist es richtig oder falsch, gut oder schlecht, sondern nur: entspricht es der Parteidoktrin oder widerspricht es ihr. Was in diesem Radikalismus zutage tritt, das ist — ״Orthodoxie“ in ihrer krassesten, fanatischen Form. Das zweite, was dieser Radikalismus der religiösen Idee entlehnt hat, ist sein Wunderglaube. Ist es nicht merkwürdig, daß in unserer Zeit zahllose Menschen wieder gelernt haben, an Wunder zu glauben? Religiöse Mensehen haben ja immer eine innige Beziehung zum Wunder gehabt. Hätte Rabbiner Hirsch jemals seine Schule gegründet, wenn er nicht an Wunder geglaubt hätte? Es war die Hoff-

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