Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 113 (sequence 16)
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113 und Blasiertheit erklärte —: ״So sieht der Barbar nur krause, verschnörkelte, ihm nichts sagende Züge und begreift das Entzücken nicht, mit dem sie den Homer lesenden Griechen erfüllen. So sieht der Blasierte nur wertloses graues Haar, wo die Pietät des Sohnes die greise Locke vom heimgegangenen Vaterhaupte an die Lippen drückt. So wirft der Wüstling den Ring,zum Trödler, der dem Reinen das teuerste Pfand der Liebe und der Treue ist. So haben Zeichen nur Wert und Bedeutung für den, der sie versteht und dem sie gelten. Nichts aber ist klüger, absprechender, allwissender als — die Dummheit“ —; wie hier Einer von der hohen Warte eines ungebrochenen jüdischen Denkens und Fühlens in meisterhaften Zügen einen kurzen Abriß von Sinn und Bedeutung der wichtigsten jüdisehen Gesetze gab: von der Blume, die das jüdische Kind am Sabbath nicht bricht, von jedem Stückchen Gesäuertes, das der Jude am Peßach aus seinem Hause schafft u. s. w. — wer fühlt aus diesem sich selbst überschlagenden Pathos, aus dieser unendlichen Ekstase, mit der hier ein von Haus aus rationalistischer Geist zum innersten Heiligtum des jüdischen Seins und Lebens vorzudringen sucht, nicht deutlich heraus, daß der wesentliche Unterschied zwischen Hartwig Wessely und Samso n Raphael Hirsch — Chassidismus ist, Chassidismus in seiner höchsten und edelsten Form, Chassidismus, der sein Bestes und Tiefstes aus einer wundersamen Mischung von rabbinischem Judentum und sozialer Bildung empfing! Wollte er diesem rabbinischen Judentum in Frankfurt und darüber hinaus eine neue Heimstätte bereiten, dann mußte er der Gegenseite nicht nur ihr Bildungsmonopol entreißen, dann mußte er durch Beschlagnahme der wahren sozialen Bildung für sein E r z i e h u n g s p r o g r a m m das ganze reformjüdische System in seiner Hohlheit und Kulturwidrigkeit entlarven und so in einer ungeahnten Form den Unterlegenen des Jahres 1796 nachträgliche Genugtuung verschaffen. ״Hätten wir unsere Anstalt“, rief er damals dem Direktor des Philanthropins zu, ״einem rabbinischen Judentum geweiht, in welcher jedes deutsche Wort verpönt gewesen wäre, vergnügt hätte er sich die Hände gerieben und uns still unseres Weges ziehen lassen. Aber daß wir zu der Erleuchtung unserer großen rabbinisch-tal-