Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 111 (sequence 14)
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111 furcht vor dem ״unschätzbaren Repositorium“ der Kabbalah, wie es in den 19 Briefen heißt,nicht abhanden kam. War’s denn nicht auf die chassidische Grundlage seiner Seelenhaltung• zurückzuführen, wenn er im 18. der 19 Briefe gegen den Rationalismus selbst des Größten unter unseren Großen aufbegehrte? Zahlreiche Stellen seines Schrifttums offenbaren uns eine auffallende Uebereinstimmung mit chassidischen Gefühlsweisen und Gedankengängen. Und was haben seine Anschauungen von Gott und Mensch, von Leib und Seele, von der Welt als Schöpfung und Natur mit den Plattheiten des Rationalismus zu tun! Rabbiner Hirsch war ein viel zu großer Kenner des Geistes von ש״ס und פוסקים , um nicht zu wissen, was es bedeutet, wenn z. B. רבא in סנהדרין סידי sagt: אי בעו צדיקי ברו עלמא שני (ישעי׳ נ״ט) כי אם עונותיכם היו מבדילים ״ בינכם לבין אלקיכםwenn Zadikim wollten, könnten sie die Welt erschaffen, denn nur eure Sünden sind’s, die eine Scheidewand bilden zwischen euch und eurem Gott.“ Wenn Rabbiner Hirsch vor einem solchen Satze stand, dann wußte er, daß keine Logik, keine Vernunft und keine Aufklärung uns je bewegen darf, über den Chassidismus unserer Chachamim zur Tagesordnung überzugehen. Und wenn der Schulchan Aruch im Jore Dea קע״ט mitsamt dem ש״ך und פ*ז die Frage nach der Möglichkeit eines von einer reinen Menschenseele auf Grund des ספר יצירה mit Hilfe der thaumaturgisehen Macht des Alphabets bewirkten Wunders grundsätzlich bejahen und die Verwirklichung dieser Möglichkeit nur für die Menschen ihrer Zeit verneinen, so war unser großer Rabbiner von der Wahrheit des ותחסרהו מעט מאלקים viel zu tief durchdrungen, um nicht von ehrfürchtigem Staunen erfüllt zu sein im Angesicht des kabbalistischen Dranges zur Einsicht in das Göttliche, zur Verklärung jenes ״zarten Punktes, aus dem das Leben sprang, der holden Kraft, die aus dem Innein drang und nahm und gab, bestimmt, sich selbst zu zeichnen.“ Was Rabbiner Hirsch am Chassidismus zeitlebens fern und fremd geblieben ist, was er innerlich und äußerlich ablehnte, weil er es bei dem Erziehungssystem seines Schul- Werkes nicht gebrauchen konnte, das waren nicht die göttlichen Flammen der chassidischen Seelenhaitung, das waren bloß die zeitgeborenen Gebä r den und Aeußerlichkeiten der chassidischen Betriebsamkeit. Die konnte er vor 80 Jahren unmöglich