Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 109 (sequence 12)
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109 und gelernt wurde, mit allem, was nicht Thora ist, mit allem, was außerhalb der Judengasse die Herzen erfüllte und die Seelen bewegte, bewerkstelligen könne, ohne bei diesem Experiment den Geist der J udengasse in die Luft zu sprengen. Sie waren naiv genug, sich die Verbindung der Thora mit dem Rationalismus ihrer Zeit als ein m e c h a n isch es Rechenexempel vorzustellen, als eine harmlose Addition zweier Größen, bei der es in der Hauptsache nur darauf ankam, den richtigen Stundenplan aufzustellen und dafür zu sorgen, daß der Thoraunterricht stundenzahlmäßig nicht zu kurz komme. Sie ahnten nichts von den revolutionären Triebkräften, die sie mit ihrem Projekt entfesselten, und sie standen fassungslos da und waren von ehrlichem Ingrimm erfüllt, als die überlegene Weisheit ihrer Gegner, die da sahen, was kommen mußte, die Brandfackel, die sie erhoben hatten, ihren Armen zu entwinden suchte. Denn diese ihre Gegner, Vorstand und Rabbinat, waren keineswegs gewillt, auch nachdem der Senat die Aufhebung des Bannes erzwungen hatte, widerstandslos das Feld zu räumen. Die rechtliche Seite dieses Streites ist in einem Aufsatz geschildert worden, der vor vier Jahren in einer Festschrift unserer Schule erschien und dem ich auch die historischen Daten meines Rückblicks entnehme. Es würde zu weit führen, wenn ich die Einzelheiten dieses Rechtsstreites hier wiedergäbe. Nur eines möchte ich noch betonen. Was hätte näher gelegen, als daß der Vorstand in seiner Gegeneingabe an den Senat ausführlich dargelegt hätte, warum er den ״Insurgenten“, wie er seine Gegner nannte, nur tiefstes religiöses Mißtrauen entgegenbringen könne und was es mit jener ״höheren Sittlichkeit“, der in Zukunft die Jugend entgegengeführt werden sollte, in Wirklichkeit für eine Bewandtnis habe. Nochaber wardie Zeit nicht gekommen, den inneren Bruch des Frankfurter Judentums vor den Augen der nichtjüdisehen Oeffentlichkeit auszubreiten. Noch war ja alles erst im Werden. Drum hielt es der Vorstand für richtiger, in seiner Gegeneingabe nur mit Gründen der Zweckmäßigkeit zu operieren. Sein Hauptargument war: Was soll und nützt uns Juden weltliche Bildung ohne bürgerliche Gleichberechtigung? ״Warum ist es dann zu Frankfurt, wenn der lautere Unterricht der jüdischen Jugend einem wohllöblichen Schöffenrath wirklich und im Ernst am Herzen läge, dem jü-