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Nahalat tsevi · 1932-02-01 · Heft 4 (Februar 1932) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 4 (Februar 1932)
Date
1932-02-01
Page
Seite 107 (sequence 10)
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107 II. Der Geist Wesselys und seiner Jünger war in Frankfurt auf einen ungeheuren Widerstand gestoßen. War dieser Widerstand berechtigt? Was war denn gegen den Plan der Frankfurter Bildungsfreunde einzuwenden? Nachdem der Cherem des Rabbinats durch den Senat aufgehoben worden war, wandten sich die Urheber des Schulgedankens an die Gemeindemitglieder mit einem Aufruf, dessen Lektüre an manchen Stellen noch heute geradezu erschütternd wirkt. Woher kommt es denn, wird da gefragt, ״daß unsere Nation verkannt, gekränkt, mißhandelt und so oft hintangesetzt wird“? Die Ursache sei Unwissenheit und Mangel an Bildung. ״Drückt Euch in Eurem mündlichen und schriftlichen Vortrage rein und richtig aus und sucht Euch schon durch Euer äußeres Betragen Achtung zu erwerben, gewiß, Ihr werdet überall gut behandelt werden.“ Aber auch das wirtschaftliche Fortkommen sei durch den Erwerb von profaner Bildung bedingt. Viele Arme und Elende gebe es in der Gemeinde. ״Besäßen diese Unglücklichen nur einige gründliche Kenntnisse, so könnten sie sich entweder hier oder anderwärts anständig ernähren. Ihre Unwissenheit fesselt sie an ihren Geburtsort und macht, daß sie ihren bemittelten Brüdern zur drückenden Last werden.“ Hätten sich die Frankfurter Bildungsfreunde darauf beschränkt, den Erwerb von profaner Bildung bloß in seiner sozialen und wirtschaftlichen Bedeutung anzupreisen, und hätten sie glaubhaft zu machen gew׳ußt, daß ihre Bildungsparole mit dem altjüdischen תורה עם דרך ארץ-Prinzip gleichbedeutend war, dann wäre es wohl niemals zu dem חרם des בעל התפלאה gekommen. Denn daß die Frankfurter jüdische Jugend auch in profanen Gegenständen durch Privatlehrer unterwiesen wurde, das war ja im Jahre 1793 nichts Neues mehr, das läßt sich schon seit ungefähr 1760 nachweisen. Neu war damals nur der unerhörte Ton, mit dem der kulturelle Wert des דרך ארץ auf Kosten der תורה auf den Thron gehoben wurde. Die Herren begnügten sich nicht damit, den sozialen und wirtschaftlichen Wert des דרך ארץ zu betonen, sie unterstrichen vielmehr mit großer Emphase, daß die Jugend erst in der neuen Schule zu einem wahrhaft ״sittlichen Betragen“ angehalten werden könne, ganz im Einklang mit den Anschauungen des Senators Hufnagel,

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