Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 106 (sequence 9)
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106 Schuledikt Kaiser Josefs II. als ein Geschenk der Vorsehung zu begrüßen und unverzüglich in die Tat umzusetzen. Man könnte dieses Sendschreiben als die Geburtsurkunde der עם דרך ארץ .Tnn-S c h u 1 e bezeichnen, wenn die Entwicklung, die von diesem Sendschreiben ihren Ausgang nahm, schon im 18. Jahrhundert zu einer harmonisehen Verbindung von תורה und דרך ארץ geführt hätte. Das aber war keineswegs der Fall. Die unmittelbaren Wirkungen dieses Sendschreibens waren katastrophal. Denn mochte Wessely persönlich, genau wie Mendelssohn, in Gesinnung und Tat auf dem Boden des überlieferten Judentums stehen, so hat doch seine לשם שמים-Absicht nicht verhindert, daß seine Forderung in den breiten jüdischen Volksmassen als etwas Neues, der תורה Entgegengesetztes, als Reform und Aufklärung empfunden wurde. So war’s in Berlin und Königsberg, und so war’s auch in Frankfurt. Der Plan, eine öffentliche Schule im Geiste Wesselys zu errichten, tauchte in Frankfurt /um ersten Male im Jahre 1793 auf. Der Lehrplan dieser Schule kommt uns heute recht harmlos vor. Als profane Lehrgegenstände waren bloß Schreiben, Rechnen, Deutsch und Französisch in Aussicht genommen. Der profane Unterricht sollte vom Stundenplan so gelegt werden, daß der Thoraunterricht in gewohntem Umfang nach wie vor erteilt werden konnte: ״z. B. von 8 bis 10 Uhr morgens und von halb zwei bis halb vier Uhr nachmittags. Der größte Teil des Vormittags und der ganze lange Winterabend bleibt demnach zum Unterrieht in unseren heiligen hebräischen Büchern übrig.“ Aber auch die entschiedensten Beteuerungen der Frankfurter Bildungsfreunde, daß sie nicht im Traume daran dächten, mit ihrer Schulgründung den Geist der alten Frankfurter Kehilla zu vernichten, halfen nichts; sie hielten Rabbinat und Vorstand nicht zurück, gegen die geplante Schulgründung Stellung zu nehmen. Ein erbitterter Kampf setzte ein. Schon waren einige Eltern entschlossen, ihre Kinder der neuen Schule anzuvertrauen, da sprach der damalige Frankfurter Raw, der כעל ההפלאה , über die Schule den Cherem aus. Die Gründer und Freunde der Schule ließen sich nicht abschrecken. Sie appellierten an den Senat der Freien Stadt Frankfurt, und auf Antrag des Senators Hufnagel wurde die Aufhebung des Bannes erzwungen und am 18. Dezember 1793 in der Synagoge bekanntgegeben,