Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 105 (sequence 8)
- Belongs to
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105 ihre Schulen so einrichten, wie es ihrer Ueberzeugung ent- 6prach, ohne daß eine staatliche Behörde ihnen in dieser Beziehung irgendwelche Vorschriften machte. Das hatte nicht bloß darin seinen Grund, daß der Staat im Mittelalter an den Juden nur ein vorwiegend finanzielles Interesse hatte und es ihm vollkommen gleichgültig war, wie die Juden, die ihm nur als Ausbeutungsobjekt willkommen waren, sich kulturell betätigten, diese Gleichgültigkeit des Staates gegenüber der jüdischen Jugenderziehung war auch darin begründet, daß ja die Schule im allgemeinen erst in der Neuzeit auf dem Wege einer langen Entwicklung zu einer staatlichen Anstalt wurde. Während des ganzen Mittelalters gab es nur zwei Lebensgemeinschaften, die sich für die Schule interessierten: Familie und Kirche. Der Staat hat sich erst viel später als Schulinteressent angemeldet. Noch im Westfälischen Frieden wurde die Schule ausdrücklich als annexum religionis, als ein Anhängsel der Religion bezeichnet. Was Wunder, wenn der Staat, der sich nicht einmal in die Angelegenheiten der christlichen Schulen einmischen durfte, für die jüdische Schule nicht das mindeste Interesse hatte. Da brach Ende des 18. Jahrhunderts für die jüdische Schule eine neue Zeit herein. Kaiser Josef II. war der erste Regent, der sich für die Erziehung der jüdischen Jugend interessierte. Am 19. Oktober 1781 erschien sein berühmtes Toleranzedikt, in welchem er die Gründung von jüdischen Elementarschulen und höheren Schulen, den sogenannten Normalschulen dekretierte. Dieses Schuledikt Kaiser Josefs II. fand bei den Juden selbst eine sehr gemischte Aufnahme. Es war das erste Mal, daß ein nichtjüdischer Regent um die Erziehung der jüdischen Jugend sich kümmerte. Viele be* grüßten darum dieses Edikt als den Vorboten einer Zeit, in der es keinen Antisemitismus mehr geben werde — ein Optimismus, der uns heute reichlich verfrüht und voreilig erscheint. Viele andere aber versprachen sich nichts Gutes davon, wenn sich künftighin der Staat um die jüdischen Schulen kümmern würde, und sie schüttelten ängstlich und bedenklich den Kopf und meinten, daß dieses Edikt nicht dem Antisemitismus, sondern dem Judentum das Grab bereiten würde. Da war es ein Jünger Moses Mendelssohns, Hartwig Wessely, der im März 1782 an die jüdischen Gemeinden ein hebräisches Sendschreiben richtete unter dem Titel ״Worte des Friedens und der Wahrheit.“ In diesem Sendschreiben trat er offen dafpr ein, d39