Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 4 (Februar 1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 102 (sequence 5)
- Belongs to
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102 Sein Äuge: Ja, mit seinen Augen sollte das Dasein erschaut werden. Wie er des Lebens Höhen und Tiefen ermessen, das ist Leben, das sich am Leben entzündet. Was wollen da all die Verkennungenbesagen, denen er זצ׳ל im Dasein ausgesetzt war? Sind sie nicht ein untrügliches Zeichen der Keuschheit seiner Seele gewesen? Weil er sich stets bemühte, im Herzen anderer zu lesen, darum verstand er diese Herzen auch dann, wenn sie gegen ihn schlugen, darum weinte er, nicht um seinetwillen, sondem begreifend und verzeihend um der anderen willen, die glaubten den Weg zu Gott ohne ihn' gehen zu müssen. Wenn auch nur eine leise Spur des Verständnisses für diese Größe durch den Sinn der Nachwelt zieht, so muß diese Spur Wunder walten, und glückliche Menschen werden im Schatten der Ewigkeit einander suchen und finden. Dies Glück aber wird sein Werk sein. Ein Werk des Lebens. Also belebte er V: ja auch die Vergangenheit. Seines Großvaters זצ״ל, seines Vaters זצייל Gedankenwelt verband er mit klarem Blick zu einem großen Ganzen und gewährte ihnen dadurch ewige Jugend. Zwei Wege hatten jene gezeichnet, den Weg der Thora zur Welt und den Weg der Welt zur Thora, und siehe da, im Dasein des Enkels und Sohnes waren die Wege eins geworden. Ausschließlich vom Blickpunkte der Thora aus schaute er in die Welt mit all ihren blendenden und verwirrenden Erscheinungen, er 1דלsichtete sic, so daß sich ein gewaltiges Einheitsbild ihm ־!? דלgab und denen, die ihm zu folgen vermochten. Also bannte er דל wiederum den ganzen Kosmos in den Zauber der Thora. So überbrückte er Jahrtausende, wenn er mit dem klaren Blick ungetrübter, kindlicher Heiterkeit die Gedanken und Empfindungen eines Königs Salomo in sich erlebte, mit Jirmejahü an den Trümmern des Tempels w einte und hoffte, mit Boas und Ruth einen sonnigen todüberwindenen Frühling schuf, mit Esther und Mordechai stumm aufhorchend den wunderumsäumten Weg Israels durch alle Fährnisse ging. So hat er diese Gestalten uns innerlich nahe gebracht, und daß e^'T dies so meisterhaft vollbrachte, das liegt daran, weil er das Wort unserer Weisen זצ״ל , den Midrasch, nicht deutete sondern erlebte. Er דל plante, auch die scheinbar so logisch trockene halachische Welt zu einem Erlebnis zu gestalten. In gewaltigen Umrissen ist das Werk ge-