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Nahalat tsevi · 1932-01-01 · Heft 3 (Januar 1932) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 3 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 95 (sequence 33)
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95 dem ״Zufall“ der Politik, der Diplomatie, des Kompromisses sich ausgesetzt sieht-. ״Treulos“? Wie eine Geißel schwingt das Verdikt über dem Zeitalter der ״Verwesung“, und Alfred Roden liest es mit Augen, starr vor Entsetzen, und mit einem Schlage weiß er über sich selbst Bescheid: daß sein ganzes bisheriges Leben nur ein Scheinleben war, nicht Jude und nicht Deutscher, und daß er aufgewacht war — in der Moderkammer der Geschichte. Ist alles verloren? Gibt es keine Rettung mehr? ״Bis sie sich gestehen eigene Sünde und die Sünde ihrer Eltern, in ihrer Untreue, die sie treulos waren wider mich, und auch, daß sie gewandelt mit mir in Zufall.“ Die Sünde individueller und die Sünde nationaler Assimilation, die Sünde der Liberalen und die Sünde der Zionisten, und auch — die Sünde des Misrachi. Dem ״Zufall“ bleibt das Schicksal des jüdischen Volks überlassen, solange ihm nicht Gott das — Absolute ist, und nur der ganze Jammer des gottfernen ״Zufalls“, jeder vernünftigen Fernsicht bar, kann es alsdann noch ״heimbringen im Lande ihrer Feinde.“ ״Oder aber — es beugt sich ihr Herz, das ungefüge, und dann sühnen sie ihre Schuld.“ Verloren? Niemals verloren! Der Bund der Erzväter, der Bund des Landes, der Bund der Stämme bleibt ewig. Mögen Großteile des jüdischen Volks individuell und national ״verwesen“: das jüdische Volk schwindet nicht aus der Geschichte der Menschen. Es reift der Erlösung entgegen: entweder im Jammer des gottfemen ,,Zufalls“, der die ״Verwesenden“ immer wieder hält und schließlich, in all ihrer Unwürdigkeit, dennoch ״heimbringt im Lande ihrer Feinde“: oder im Wunder freier Erhebung, freier Sühne individueller und nationaler Schuld, im Wunder neu verdienter Gottesnähe. ״Das Land — verlassen von ihnen — sühnend seine Sabbathe — öde von ihnen — und sie — sühnend ihre Sünde — nochmals malt das offenbarende Wort für Jahrtausende im voraus das Bild des in Oede sühnenden und sich sehnenden Landes und das Bild des in Oede sühnenden unb sich sehnenden Volkes, diese beiden Bilder, bestimmt, für Jahrtausende die einzigen sichtbaren Zeichen, Wahrzeichen Gottes auf Erden zu sein, und mit furchtbarer Eindringlichkeit, um auch das geringste Mißverstehen auszuschalten, deutet es zugleich den Sinn beider Bilder: um sühnende Vergeltung handelt es sich und um sühnende Gutmachung: ״meine Staatsgesetze hatten sie verachtet, meine Individualgesetze hatte ihre Seele verworfen.“

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