Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 3 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 28)
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90 bestimmten Ortes ei faßten. Sie zerfielen in drei Gruppen, je nach der Art ihrer Leitung und ihrer Institutionen: in reine Reformgemeinden, wenn sie lediglich den liberalen Bediirfnissen, in konservative Gemeinden, wenn sie lediglich denorthodoxen Bedürfnissen, in neutrale Gemeinden, wenn sie den Bedürfnissen der Liberalen und der Orthodoxen Rechnung trugen. Neben diesen Einheitsgemeinden, die als Ortsgemeinden auf dem Territorialprinzip aufgebaut waren, gab es noch einige Separatgemeinden, die siel! als Bekenntnisgemeinden charakterisierten und fast ausnahmslos orthodox waren. In den größeren Volksstaater! waren die Gemeinden in Landesverbände zusammengeschlossen. In Preußen und Hessen gab es zwei Landesverbände: einen neutralen und einen orthodoxen. Dann hatte man noch zwei Reichs verbände, einen neutralen und einen orthodoxen, beide offensichtlich mehr einem architektonischen Bedürfnis entsprechend. Zu diesen gemeindlichen Organisationen kamen, die Organisationen der Einzelnen: die Vereinigung liberaler Juden, die Vereinigung orthodoxer Juden und, weil letztere im Ruche des Separatismus stand, die Vereinigung antiseparatistischer orthodoxer Juden: die Vereinigung liberaler Rabbiner, die Vereinigung orthodoxer Rabbiner und, weil letztere im Ruche des Separatismus stand, die Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner; über Deutschland hinausgreifend•, die zionistische Organisation, die agudistische Organisation und, weil letztere im Ruche des Separatismus stand, die misrachistische Organisation. Dann die Logen, in reinem Menschentum, in der Entwicklung edler Geselligkeit Ruhe vor religiösen und nationalistischen Velleitäten suchend. Dann der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in seinem Namen schon seinen Sinn enträtselnd. Schließlich die Literaturvereine und die Jugendvereine, letztere teils bewegt, teils unbewegt. Vor diesem Dickicht organisatorischer Gebilde stand Alfred Roden mit pochendem Herzen und hielt nach dem Judentum Ausschau. Die negative Seite seines Judeseins war ihm längst klar geworden. Seine Unfähigkeit, das Leber! so einfach hinzunehmen, wie es ihm gegeben war, seine Rebellion gegen die historisch gewordenen Zustände seiner Umwelt, seine Ablehnung des Staats oder der Wirtschaft oder selbst der Kultur als letzter Werte an sich, seine Empörung über das Leid, in