Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 3 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 29)
- Belongs to
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91 das die überwältigende Mehrheit aller Menschen versunken war, seinen gänzlichen Mangel an normalem Daseinsgefühl: all das führte er auf sein Judesein zurück, das ihm und seinen Vorfahren seit vielen Jahrhunderten eine Sonderstellung in der Geschichte der Menschen angewiesen hatte. Den Sinn dieser Sonderstellung wollte er erfassen, gewissermaßen ihr Programm. Daß sie das Ergebnis zusammenwirkende! Zufallsumstände sein könnte, lehnte er mit der ganzen Energie seines Wesens ab. Ein solcher Erklärungsversuch kam einem allgemeinen Verzicht auf sinnbegabte Menschengeschichte gleich. Ganz im Gegenteil bedeutete ihm die Tatsache seines Judeseins das tiefste geschichtliche Rätsel, den Ausgangspunkt all seiner Ueberlegungen. Bis in die innersten Fasern seines Herzens war er von fassungslosem Staunen über diese Tatsache erfüllt. Er wußte sich einem Menschenschlag zugehörig, dessen ungeheuerliches Schicksal jeder und aller geschichtlichen Erfahrung Hohn sprach. Vielleicht wäre sein Staunen geringer gewesen, wenn er von Kindheit an inmitten der jüdischen Sache gestanden hätte. Die Gewohnheit ist der größte Feind des Staunens. So aber kam er gleichsam in reiferem Alter von außen an das jüdische Phänomen heran und fühlte sich von ihm aufs tiefste erschüttert. Geradezu Entsetzen erfaßte ihn, als er eines Abends in der Bibel blätterte, was er jetzt oft tat, und auf das 26. Kapitel des dritten Buches Mosis stieß, das in lapidaren Sätzen das jüdische Phänomen einfach weissagte. ״Ich gebe eure Städte der Zertrümmerung hin Und lasse eure Heiligtümer veröden, Und nicht nehme ich mehr an Den Ausdruck eurer Willfahrung. Ich mache dann zur Öde — Ich! — das Land, Und es veröden darauf eure Feinde, Die darin sich niederlassen. Euch aber zerstreue ich unter die Völker Und zücke hinter euch her — Schwert; Es bleibt euer Land aber öde, Und eure Städte bleiben Trümmer. Jetzt sühnt das Land seine Sabbathe Alle Tage der Verödung, Und ihr — im Land eurer Feinde; Jetzt feiert Sabbath das Land Und sühnt seine Sabbathe. Alle Tage der Verödung hält es Sabbath, Ihn, den es nicht hat halten können Während eurer Sabbathjahre,