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Nahalat tsevi · 1932-01-01 · Heft 3 (Januar 1932) · p. Seite 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 3 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 87 (sequence 25)
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87 gegen Personen und Sachen auszulösen: die krankhafte innere Störung des Dissoziierten macht sich in ungehemmter Zerstö rungslust geltend. Nicht wirtschaftliche Mißiage gegenüber einem Bessersituierten, nicht Hunger gegenüber einem Satten ist das Treibende in der Judenhetze, denn es ist überall bekannt, daß unsere jüdischen Mitbürger unter der deutschen Not heute ebenso leiden wie die christlichen, sondern mißleitetes Vorstellen und Einfühlen sind ursächlich. In manchen Gesellschaftkreisen unseres Volkes gehört es zum guten Ton, zur persönlichen Geltendmachung, dal! einer am Stammtisch oder sonstwo über die Juden mitschimpft. Mancher ist erfahrungsmäßig innerlich anderer Meinung, aber, um nicht als rückständig zu erscheinen, mimt er nach außen den Judenfeind und dünkt sich damit modern und gebildet. Ein Gegenstück dazu haben wir in jedem Mittun, wenn es gegen Kirchen und Geistlichkeit geht. Es gibt Fanatiker, welche durch Lektüre oder Vorträge in den Judenhaß sich verkeilt haben. Fanatismus, ob er sich auf religiösem, gesellschaftlichem, politischem Gebiete zeigt, ist ein Erbrest des Primitiven. Seine brutale Kraftentfaltung ist nicht Ausfluß des Lebensstarken, sondern eine Schwächeerscheinung; um diese sich wegzutäusehen, verankert einer in seinen Vorstellungsinhalt Gewaltakte; inwieweit solche zur Tat werden, hängt viel von äußeren Umständen ab. Wir machen dabei häufig die Wahrnehmung, daß zuerst sehr draufgängerische Täter zusammenklappen, sobald sie vor einer Oeffentlichkeit sich zu verantworten haben. Sie bekennen sich nicht — wie wir hätten erwarten dürfen — mannhaft zu ihrem Tun, sondern werden, eben in der Folge der originären Schwäche, feige, beschönigen, leugnen, suchen Tatsächliches zu verschleiern, klagen nicht selten andere des Vorwärtsdrängens an, um die eigne Person nach Möglichkeit zu entlasten. Die intellektuellen Anstifter trachten jederzeit in Verborgenheit zu bleiben und finden hervorgeholt die nichtigsten Ausflüchte. Die Abhilfemaßnahmen gegen den Judenhaß müssen in erster Linie immer wieder die falschen Anwürfe, mit denen Judentum und Judenheit verfolgt werden, entkräften. Die religiös-sittlichen Bindungen, welche dem jüdischen Menschen das Religionsgesetz auflegt, wie Schulchan Aruch und Talmud sie wirklich lehren, müssen gegenüber Schriften, Flugblättern, Vor-

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