Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 3 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 4)
- Belongs to
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66 aller Abgründe, den unseliger Bruderzwist aufgetan, als es galt, das Zeichen des Gotteswortes, wie an die Pfosten des Hauses und der Familie, so auch an die des öffentlichen Gemeindelebens, זעל מזזות ביתך ובשעריך zu schreiben. Zu einer regelmäßigen, systematischen Zusammenarbeit der orthodoxen Rabbiner Deutschlands war es in den Tagen Hirschs nicht gekommen. Es war das große Verdienst seines Nachfolgers Rabbiner Breuer זצ״ל, seine Gesinnungsgenossen im Orthodoxen Rabbinerverband gesammelt zu Waben. So treu und unbeirrbar Rabbiner Breuer das gemeindepolitische Erbe seines Vorgängers verwaltet hat, so tief hat er von Anbeginn seiner öffentlichen Wirksamkeit bis an sein Lebensende den Riß, den er im gesetzestreuen Judentum Deutschlands vorgefunden, als eine Tatsache von überaus schmerzlicher Tragik empfunden. Darum war sofort nach seinem Amtsantritt sein eifriges Streben darauf gerichtet, die persönlichen Verstimmungen, die der Austrittskampf des Jahres 1877 zurückgelassen hatte, so weit er es mit den sachlichen Forderungen seines gemeindepolitischen Prinzips und den Lebensinteressen seiner Kehilla vereinbaren konnte, auf dem Wege freundschaftlicher Ausspräche und friedlicher Verständigung aus der Welt zu schäffen. Wie er in Frankfurt selbst auch den Mitgliedern seiner Kehilla, die zu einer Lossagung von der Israelitischen Gemeinde sich nicht entschließen konnten, Lazar Mainz, Louis Feist usw., in persönlicher Menschenliebe stets zugetan war, so war es immer sein Stolz, daß es ihm schon in den ersten Jahren seiner Wirksamkeit gelungen war, die Söhne des Würzburger Raw זצ׳ל, Nathan Bamberger in Würzburg, Simon Bamberger in Aschaffenburg, M. L. Bamberger in Bad-Kissingen, Saloman Bamberger in Sennheim, als Gesinnungsgenossen und persönliche Freunde um sich zu scharen. Wann immer Rabbiner Breuer als Vorsitzender des Orthodoxen Rabbinerverbandes seinen Wächterruf erschallen ließ — ob es galt, Zionismus und Misrachi abzuwehren oder das Frauenwahlrecht zu bekämpfen oder die liberalen Richtlinien zu brandmarken — in der Liste seiner Mitrufer im Streit hat der Name Bamberger nie gefehlt j Der Aufruf von Rausch Chaudesch Kislew d. J. beweist, daß der Geist Rabbiner Breuers זצ׳ל im Orthodoxen Rabbinerverbände noch ,lebendig ist. Es ist das ein Lichtblick in trüber Zeit. Dieser Lichtblick wäre freilich noch erfreulicher, wenn er