Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 56 (sequence 60)
- Belongs to
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56 Warum dieses Schreiben, das den Geist der Wahrheit und des Friedens atmet und den Sachverhalt völlig klärt, nicht der Öffentlichkeit übergeben wurde, ist nicht bekannt. Sein Inhalt ist aber noch heute so aktuell wie damals. Es steht fest, daß der Repräsentant der orthodoxen Gemeinde seine Zustimmung zum Eruw aus religionsgesetzlichen Bedenken versagt hat. Somit besteht das Verbot des Tragens am Sabbath für alle Juden Frankfurts, da ein Teil der Ortsbevölkerung ihn ablehnt. Der Friede in Frankfurt kann nur durch Verbreitung dieser Erkenntnis gefördert werden. Wenn freilich vorgefchlagen worden ist, ״die öffentliche Diskussion zu fchließen, auf beiden Seiten kein Öl ins Feuer zu gießen und es jedermann zu überlassen, der Entscheidung des von ihm anerkannten Rabbinates zu folgen״, so muß hierin eine geradezu unbegreifliche Entgleisung erblickt werden. Das Religionsgesetz überläßt durchaus nicht jedermann, zu tragen oder nicht zu tragen, verbietet vielmehr allen Juden das Tragen, wenn ein Teil der Ortsbevölkerung sich am Eruw nicht beteiligt. (Vergl. Orach Chajim Kap. 392.) Es ist immer noch besser, Öl ins Feuer zu giefeen als Wasser in den Wein der Thora. Der Vorfchlag negiert aber auch das Wesen der Frankfurter Religionsgesellfchaft, die nach der Lehre ihres Gründers sich als Ortsgemeinde begreift und neben ihrem Rabbinat nicht ein außerhalb stehendes Rabbinat anzuerkennen vermag. Man dient dem Frieden nicht, wenn man der Wahrheit den Mund verbindet. Zur Abwehr des Blankotages. Wenn auch mit G’ttes Hilfe die Gefahr des Blankotages für unsere Generation überwunden ist, so hat man umsomehr Veranlaffung, einen ruhigen, objektiven Rückblick auf dasjenige zu werfen, was in dieser Angelegenheit gefchehen ist und auf dasjenige, was nicht gefchah. Der große gewaltige Auffchrei der Judenheit blieb aus, das mag daher rühren, daß es wirklich fchwer ist, ein großes Publikum über die ganze Materie aufzuklären. Die Halachoih über Ibbur hachaudefch waren immer ein fchweres Kapitel gewesen. Aber jedenfalls hat die große Masse versagt, hingegen waren unsere Gegner wohl gerüstet auf dem Platze, und die bittere Wahrnehmung, daß unsere heiligsten Überzeugungen Freiwild sind, sollten zum Nachdenken Anlaß geben. Wie bitter war der Augenblick, als einer der eifrigsten (amerikanifchen) Befürworter des Blankotages sagen konnte: es seien ja doch nur noch sehr wenige