Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 50 (sequence 54)
- Belongs to
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50 klar, so habe ich midi zum!einen Teil gerade jener Welt ausgeliefert, vor der ich ein mir selbst gar nicht faßbares Grauen habe. Wie kann ich dann je zum Frieden kommen? Soll ich warten, bis Glauben und Wissen eins sind? Hurtig: Sie müssen Geduld mit sich selbst haben und Geduld mit Ihrem Volk. Alfred: Ich darf nicht allzu viel Geduld haben. Das Leben ist kurz. — Sagen Sie doch bitte, Herr Hurtig, fühlen Sie sich eigentlich wohl in Ihrer Haut? Aber nicht wahr, die Frage ist ein bißchen komisch, vielleicht sogar unverschämt? Hurtig: Sie ist nicht gerade alltäglich. Aber ich verübele sie Ihnen nicht im mindesten. Tja, leicht ist sie nicht zu beantworten. Wissen Sie, ohne den Zionismus würde ich mich ganz gewiß weit unwohler fühlen. Alfred: Inwiefern? Hurtig: Das will ich Ihnen sagen. Ohne den Zionismus käme ich ganz gewiß mehr und mehr ins Grübeln und würde die Zwiespältigkeit des modernen Menschen weit peinlicher empfinden. Sie nannten vorhin, vielleicht mit Recht, den Misrachi die Problematik des!modernen thoratreuen Juden. Wenn dem so ist, dann ist der Zionismus die Rettung des modernen thoratreuen Juden aus dieser sonst unlösbaren Problematik. Alfred: Das verstehe ich nicht. Hurtig: Wenn ich im Zionismus für die Thora arbeite, kommen Thora und Verstand, meinetwegen Glauben und Wissen, in gleicher Weise auf ihre Rechnung. Die zionistische Organisation steht ganz und gar auf dem Boden der realen Tatsachen. Sie entspricht gewissermaßen den Kräften in mir, die.zur Wirklichkeit drängen, die das Diesseits ergreifen wollen. Wenn ich in ihrem Rahmen die Thora zur Geltung bringen will, kann ich es ohne das pochende Mahnen von Verstand und Vernunft tun. Ich habe mir keine Rückzugslinie abgeschnitten. Als Misrachist bin ich Zionist und zugleich thoratreu. Als Zionist bin ich Realist. Als Thoratreuer bin ich Idealist. Der Misrachist ist ein realistischer Idealist. — Alfred: Und Ihr religiöses Erlebnis ist nicht imstande, Sie restlos mit fortzureißen? Hurtig: Mein lieber Herr Roden, man erlebt nicht zu jeder Zeit. Es sind immer nur einzelne Höhepunkte, zu denen ich mich1 emporschwinge. Und dann dürfen Sie eben nicht vergessen, daß Verstand und Vernunft am Erlebnis nicht unmittel-