Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 48 (sequence 52)
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4S Wege. Daß aber im Judentum zwei scharf ges'chiedene religiöse Richtungen existieren, die sich nie und nimmer vereinigen können, das ist so klar, daß es eben nur von herschsüchtiger Pfäfferei in Abrede gestellt werden kann. Und da tue ich nicht mit.“ Dieser berufenste und klügste Führer der Reformer, der dem Minister klaren Wein eingeschenkt, hat sich auch tatsächlieh am Kongreß nicht beteiligt, obwohl er dort ganz gewiß eine führende Rolle gespielt hätte. Bei Eröffnung des Kongresses. Eröffnet wurde der Kongreß mit einer feierlichen Rede des damaligen Kultusministers. Als aber der Organisationsentwurf auf den Tisch des Hauses gelegt wurde, haben die Vertreter der Orthodoxen — es waren die hervorragendsten Rabbinen und weltlichen Kapazitäten, die die ungarische Judenheit hatte — einen schriftlichen Antrag eingebracht, daß in einem Grund- Paragraphen die Autorität des Thoragesetzes auf Basis des Schulchan Aruch für das Gemeindeleben anerkannt werde. Der Antrag wurde abgelehnt. Eine Schicksalsfügung von erschüttender Tragik! Ueber die vorgebrachten Gründe dieser Ablehnung brauchen wir uns nicht weiter aufzuhalten. Es sind dieselben, die noch heutzutage von den Gegnern einer thoratreuen Verfassung bei ähnlichen Anlässen ins Treffen geführt werden. Die orthodoxen Mitglieder des Kongresses verließen hierauf den Sitzungssaal, bis auf einige Wenige, die glaubten, noch etwas retten zu können. Auch diese erlebten bald die peinlichsten Enttäuschungen. * Mit Hilfe einer geschickten Hausordnung hat es der Präsident verhindert, daß im jüdischen Parlament vom jüdischen Religionsgesetz bezw. vom Schulchan Aruch gesprochen werde. Es werden viele Zeitgenossen und deren Nachfahren diese Tatsache für unglaublich halten und doch entspricht sie der Wirklichkeit. Wenn ein Abgeordneter in seiner Rede den Ausspruch wagte, daß die in den Kongreß-Statuten erwähnten Kultusinstitutionen nach den Bestimmungen des Schulchan Aruch' geleitet werden sollten, wurde er Vom Präsidenten zur Ordnung gerufen und im Wiederholungsfälle wurde ihm das Wort entzogen. Das Wort ״Schulchan Aruch“ durfte in diesem jüdischen Parlament, welches die Aufgabe hatte, die Normen