Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 35 (sequence 39)
- Belongs to
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des Hauses Hilleis gewandt hat. Mit anderen Worten: sie verlangte für die von ihr vollzogene Eingemeindung der Thora eine rechtlich gesicherte, auch von der kämpfenden Orthodoxie anerkannte Heimstätte im System des überlieferten Judentums, wogegen sie natürlich — ihrerseits stets bereit war, der kämpfenden Orthodoxie ein Gleiches zuzubilligen. Man möchte glauben, daß die vollendete Unmöglichkeit, vom Standpunkt der kämpfenden Orthodoxie ein solches Verlangen zu erfüllen, geradezu ins Auge hätte springen müssen. Wo in aller Welt hat man je gehört, daß ein Kämpfer gefahrlos zugab, sein Kampf sei keineswegs unter allen Umständen — notwendig? Eine kämpfende Orthodoxie, die auch nur die entfernteste Möglichkeit eines Friedensschlußes zugibt, gräbt sich ihr eigenes Grab. Ist ein Frieden mit dem Liberalismus, ist die Eingemeindung der Thora religionsgesetzlich auch nur irgendwie diskutabel: ei, wozu dann der unermeßliche Aufwand an Geld und Geist und Zeit, wozu der ewige Hader, die ewige Zersplitterung und all das in einer Gegenwart, die unermeßliche Gefahren an Leib und Leben in sich birgt, und deren ungeheuerliche Nöte jeden nicht unbedingt, nicht unter allen Umständen zu verausgabenden Pfennig einzusparen zur Pflicht einer Selbsterhaltung machen, die schließlich und endlieh auch die Gestaltung der jüdischen Gemeinde nach der Weise des Hauses — Hillels als statthaft erscheinen lassen muß! Geht es schon um Sein oder Nichtsein, dann doch lieber nach der Weise des Hauses — Hillels, als — überhaupt nicht. Die kämpfende, die unabhängige Orthodoxie Deutschlands steht heute am Rande des Abgrundes. Ihr ist das Schlimmste geschehen, was einer kämpfenden Menschengruppe passieren kann: der Zweifel an der unbedingten Notwendigkeit ihres Kampfes, ihrer Unabhängigkeit hat sich in ihre eigenen Reihen geschlichen. Es ist eingetreten, was Rabbiner Hirsch und sein Nachfolger stets am meisten gefürchtet haben. Beide wußten, daß die kämpfende Orthodoxie Deutschlands sich nur dann werde halten können, wenn ihr der Gedanke der Eingemeindung der Thora ein völlig unproblematisches, nicht der leisesten Ungewißheit Raum lassendes, schweres, religiöses Unrecht bedeutete, das einer ernst zu nehmenden halachisehen Diskussion gar nicht fähig sei. Beide wußten, daß die kämpfende Orthodoxie Deutschlands in dem Augenblick stranden mußte, da auch1 ihr die Ablehnung der Eingemeindung der