Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 34 (sequence 38)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2551369-2551378-2551380--0504-2551997- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Situation wurde aber dadurch noch wesentlich verschlimmert, daß die Separatfrieden-Orthodoxie von Anfang an die kämpfende Orthodoxie vor das Ansinnen stellte, die religionsgesetzliche und moralische Berechtigung ihres Separatfriedens mindestens als eine von zwei Möglichkeiten :anzuerkennen, und daß sie, als ihr diese Anerkennung versagt wurde, alsbald in schreiendem Gegensatz zu ihrer dem Liberalismus gegenüber bewiesenen Kampfmüdigkeit, eine Frontstellung gegen die kämpfende Orthodoxie bezog, in der sie, bis zum heutigen Tag mit immer wachsender Hartnäckigkeit verblieben ist. So ist es gekommen, daß in den ganzen letzten Jahrzehnten das deutsche Judentum den urkomischen Anblick bot, daß das öffentliche jüdische Leben fast ganz vom Kampf zwischen der kämpfenden Orthodoxie und der — Separatfrieden-Orthodoxie ausgefüllt war: ein wahrer und echter Bruderkampf, der vielfach der heutigen Generation fast in Vergessenheit hat kommen lassen, daß die kämpfende Orthodoxie von Haus aus gegen den — Liberalismus kämpfte, und daß die Separatfrieden-Orthodoxie von Haus aus — nun, eben Frieden gewollt hatte. Die fürchterliche Tatsache, daß zwischen der kämpfenden Orthodoxie und ihrem eigentlichen, ihrem ursprünglichen Gegner, dem Liberalismus, die Separatfrieden-Orthodoxie steht und alle eigentlich dem Liberalismus zugedachten Stöße auffängt und erwidert, hat das ganze Wesen der kämpfenden Orthodoxie im Bewußtsein der heutigen Generation verdunkelt. Begreiflich genug, daß es an Versuchen nicht gefehlt hat, dieses Verhängnis der kämpf enden Orthodoxie durch einen F1׳ieden mit der Separatfrieden-Orthodoxie fortzuräumen. Gerade diese Versuche aber haben die Lage der kämpfenden Orthodoxie erst recht verschlimmert und haben sie schließlich an den Rand eines Abgrunds gebracht, vor dem sie gegenwärtig steht. ' Die Separatfrieden-Orthodoxie hat mit bemerkenswerter Konsequenz niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß für sie unerläßliche Bedingung eines aufrichtigen Friedens mit der kämpfenden Orthodoxie deren rückhaltloses Eingeständnis sei, die durch den Separatfrieden mit dem Liberalismus vollzogene Eingemeindung der Thora beruhe auf einer religionsgesetzlichen Entscheidung, die man nur in der Weise bekämpfen dürfe, wie sich etwa das Haus Schammajs gegen eine Lehrmeinung