Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 22 (sequence 26)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2551369-2551378-2551380--0492-2551985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
n fruchtet, sein unerbittliches Wahrheitsstreben erprobt Und die methodischen Grundsätze gewonnen, die seiner Forschung für die Folge das Gepräge gaben. ״In der Tat aber dürfen wir nie glauben, einen Psalm zu verstehen, so lange wir in ihm nur lose aneinander gereihte Verse erblicken und wir ihn nicht als einheitliches Ganze gleichsam in unserem Innern nachzuschaffen vermögen. Ein jedes wahrhafte, wirkliche Lied, das nicht die Kunst oder vielmehr Künstelei, das ein wahres, inneres Leben und ein wahres, inneres Bedürfnis erzeugt, trägt — auch wo es nicht unter dem Anhauche des heiligen Gottesgesetzes entsteht — einen Kemgedanken, in welchem eben die Fäden der ganzen Dichtung einheitlich zusammenlaufen, oder vielmehr von dem sie wie die Strahlen aus einem Mittelpunkt ausgegangen. Diesen Gedanken zu finden, ihn so lebendig und gerade von einer solchen Seite innerlich nachzudenken, wie er in der Brust des Sängers gelebt haben muß, ehe er ihn mit solchen Worten, solchen Sätzen, in solcher Folge der Gedanken und Empfindungen und gerade nur mit solchen Worten, Sätzen und in solcher Folge ausgesprochen und dann von einem solchen Gedanken aus nun jeden Satz, jedes Wort, jede Wortnüance gerade eben wie sie uns entgegentreten nicht nur gerechtfertigt erklärt sondern in ihrer wahrhaftigsten Wahrheit und Notwendigkeit zu begreifen —: diese Arbeit oder vielmehr diese Geistes- und Gemütstätigkeit ist eine so selig lohnende, und der ganze Weg zu ihrem Ziele ist ein so weckender und aufräumender für Geist und Gemüt, daß es wohl schwerlich für die Logik der Gedanken und für die Ethik der Empfindungen eine fruchtbringendere Leitung und Läuterung gibt, als den Versuch, die Psalmen zu lesen.“—(das.) Das Bekenntnis, daß ״nächst dem Pentateuch das Buch der Psalmen dasjenige ist, das unter allen Büchern der heiligen Schrift am meisten Einfluß auf die Bildung des jüdischen Geistes und Gemütes geübt hat“ (Vorwort), war ihm köstliches Selbsterlebnis. Denn wenn ihm das Gottesbuch der Thora seine ״Bestimmung als Mensch1 und Jude“ offenbarte, den gottgewollter!, historischen Beruf seines Volkes ihm erschloß im Zusammenhang mit den göttlichen Zielen, die derZurÜckgewinnung einer großen Menschheit für ihren wahren Menschen- Beruf gelten, dann sangen ihm die Psalmen nicht nur vom ״göttlichen Walten in der Natur und in den Geschicken des einzelnen Menschen, Israels und der Völker“, sondern ent-