Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 21 (sequence 25)
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11 fünfzig Jahre Psalmenkommentar. Von Rabbiner Dr. Joseph1 Breuer. Diesen Kislew werden es fünfzig Jahre sein, daß Rabbiner Hirsch זצ״ל seinem Volke den Psalmenkommentar schenkte. Die Erinnerung an dieses Datum soll keine historische Reminiszenz wecken. Wenn sich aber die Rabbiner Hirsch-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht hat, für das geistige Erbe dieses Großen immer weitere Kreise zu gewinnen, dann dürfte die Bedeutsamkeit der Erwägung nicht unterschätzt werden, welche Stellung der Psalmenkommentar unter den geistigen Schöpfungen Rabbiner Hirschs einnimmt. Mit keinem seiner Werke fühlte er sich seelisch so verwachsen, wie mit diesem seinem Lebensbuche. Es hat ihn von frühester Jugend beschäftigt, aber erst in der vollendeten Abgeklärtheit seines Greisenalters übergab er es der Oeffentlichkeit: als ob er die Wunderkraft dieses Buches selbst erst in allen Phasen seines reich bewegten Lebens erprobt haben wollte, ehe er diesen nimmer versiegenden Kelch jüdischer Lebenskraft und Lebensreichtums, von dem er in vollen Zügen getrunken, seinem Volke darbot. ״Hat doch jeder Mensch ein Buch“, so lesen wir in seinem ״Briefwechsel über die Psalmen“ (G. Sehr. I., 324), ״an welehern sich die frühesten Keime!seines geistigen Lebens vor allem gezeitigt. — Waren es ,doch die seligsten Stunden meiner Jugend, in denen ich . versuchte, mich ganz in die Stirnmung und den Gedankengang eines Psalms hineinzuleben, dem Kern- und Keimgedanken nachzuspüren, der den Mittelpunkt eines Gesanges bildet, und den ganzen Psalm in allen seinen Einzelheiten in lebendiger Einheit um diesen Kerngedanken gleichsam entstehen zu sehen. Glaubte ich dann einen solchen Versuch glücklich gelöst zu haben, und war es mir am Abend, wenn das Geschäft ruhte, vergönnt, meinem Vater, dessen zweite Seele תנ״ך war, und der den hellsten Blick und die zarteste Empfindung für die Wahrheiten und Schönheiten der heiligen Schriften hatte, meine jugendlichen Versuche vorzutragen und aus seinem Munde Beifall und Tadel, Belehrung und Förderung zu erhalten — wer war dann glücklicher und seliger als ich!“ An den Psalmen hat',der jugendliche Forscher seinen Forschersinn geweckt, seine divinatorische Einfühlungsgabe be-