Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 19 (sequence 23)
- Belongs to
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19 dem Nirwana verzerrt. Für den Rahmen dieser Darstellung muß dieser Hinweis genügen, der dann später zu einer Erklärung der Bedeutung des אין in dem Gebiet dieser jüdischen Weltanschauung erweitert werden soll. ' Gibt es aber in diesem Widerspiel ein Starres, Unveränderliches? Wiederum nein. Wenn schon in Bezug auf die äußere Gestaltung der Menschen — eben als eine Folge des Neuen, das sichtbar in Adams Schöpfung getragen wurde (vgl. oben) — schon unsere alten Weisen s. A. feststellten, daß es eine absolute Gleichheit nicht gäbe, selbst bei verbüffender Aehnlichkeit nicht, (דיוי פרצופין duo prosapa) um wieviel mehr gilt das von den inneren Schicksalen. Man frage Mann und Weib, auch solche, die in innigster Verehrung und tiefster Achtung miteinander des Daseins Pfade ziehen, ob es in ihrem Leben zwei ganz gleiche Momente gibt. Ewiges Werden, ewiger Wechsel. Aber genau so wie jede körperliche Handlung irgendeine Wirkung auslöst, eine Tatsache, die der wissenschaftlichen Feststellung von der Erhaltung der Energie zu Grunde liegt, genau so erzeugt jede Handlung des Widerspieles von Geist und Körper, also das Leben, das Fühlen, das Sehnen, das Hoffen, das Beten, irgendeine Folge. Das aber ist das oberste Naturgesetz, daß alles Werden sich gegenseitig beeinflußt, und das ist der Sinn des Ausspruches des hohen Rabbi Löb von Prag s. A. יש סדר לניסים d. h.: das Wunderbare ist naturgesetzmäßig. Vom Urbeginn an hat der Schöpfer diese Beweglichkeit, dieses Werden, diese Möglichkeiten in die Erscheinungen der Natur gelegt. Die moderne Wissenschaft hat das Gebiet der Katalyse angebaut oder vielmehr erst erschlossen und versteht etwa darunter z. B. die Tatsache, daß, um ganz einfach zu sprechen, der Regen an und für sich keine Stoffe bringt, welche dem Wachstum der Pflanze dienen, sondern nur im Keim und im Boden schon vorhandene Stoffe und Kräfte zueinanderbringt, ineinander dringen, sich durchdringen läßt und sie zur Entfaltung zwingt, auf lösend die Atome durcheinander wirbelt und zu neuen Gruppierungen des Werdens veranlaßt. (Der Kenner wird das in dem obengeschilderten Weltprinzipe von זוכרין ונוקבין wiederfinden). Der Zerfall ist Gesetz und Voraussetzung des Werdens. Der Allmächtige, das ist die Konsequenz des Satzes vom hohen Rabbi Löb s. A., hat in die Natur die Fähigkeit gelegt, daß sie dem katalysatorischen Streben und Wollen der Menschen Gefolgschaft leisten,