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Nahalat tsevi · 1931-11-01 · Heft 1-2 (November 1931) · p. Seite 18

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 1-2 (November 1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 18 (sequence 22)
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IS zur Bescheidenheit zu führen, war der erste Minderwertigkeitskomplex, die Mutter des Schamgefühles, war die Mutter des — Gewissens, gleichzeitig aber auch die volle Entfaltung einer Sozialethik. Deshalb mußte jede Periode der Geschichte der Einzelnen oder der Menschheit, welche eine Ueberhebung des Bewußtseins hervorbrachte, auch den Versuch zeitigen, das Schamgefühl aufzuheben oder es auf ein Minimum zu reduzieren, auch in Wort und Kleidung, in Betonung, Ent- Haltung und Vordringlichkeit des ersten Objektes des Schamgefühls, also des Körperlichen. Man begreift es ferner, wenn eine bestimmte, aus dem Boden des Judentums stammende und in demselben verwurzelte Weltanschauung alles Geschehen in der Welt in den Rubriken זוכרין ונוקבין, Mann und Weib, zu rubrizieren verzucht. (Das ist himmelweit entfernt von der Gnosis, die zur Symbolik umbiegt, was Wirklichkeit ist). Ob man es positiv oder negativ nennt, ob Anziehung oder Abstoßung, ob zentrifugale oder zentripetale Erscheinungen, ob befruchtender Regen oder spröde Felserde, ob Liebe oder Haß, ob süßer Traum des Lebens oder bange Ahnung des Todes, ob verdämmernde Hingabe oder harter Weg der Selbstsucht über Leichen, ob aufjauchzende Hoffnungsfreude oder trostesbare Enttäuschung, all das, die ganze Welt, erscheint sich nach jener Weisheit als eine geheimnisvolle Aeußerung des Werdens oder der Sehnsucht nach demselben. Eben dieses Geheimnisvolle ist wiederum das stetig sich1 wiederholende Bewußtsein des Unvollendeten, das Schamgefühl in der Erkenntnis der seienden Seele, daß auch' dann, wenn Leben gegeben wird, nur ein Werden, niemals aber ein Sein gegeben wird. Trostlos? Nein. Denn das Wiegenlied der Welt lehrt also. Genau so, wie alles Werdende einmal durch1 den Willen des ewigen, vollendeten Seins geworden ist, so darf man ahnend träumen, daß alles Werdende einmal in einem Seih gipfelt. Es ist außerordentlich bezeichnend, daß der Abschnitt der Menschheitsgeschichte (es ist eine Periode von 769 Jahren), die mit dem ספר תולדות אדם nt eingeleitet wird, wieder mit einem זה schließt, mit einem Menschenkinde, an dessen Wiege der Vater ahnend sprach, daß dieses Kind Meister im Kampfe des Lebens gegen den Tod sein würde, und deshalb in seinen Namen den Inbegriff des Seins, die Ruhe (נח) verwob. Dieses kostbare Erbe hat eine andere Religion, der Buddhismus zum Nichtsein,

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