Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 4 (sequence 8)
- Belongs to
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4 heute das notleidende Frankfurt beispielgebend sein für die Orthodoxie der ganzen Welt; es muß zeigen, daß ein verschärftes Galuth für die Gemeinde Hirschs nur ein umso höherer Ansporn zu Höchstleistungen an Opferwillen und Opfertat bedeutet; es muß zeigen, daß Gottes unverkäufliche Wahrheit von ihrer Majestät nichts verliert,,auch wenn sie nicht vierspännig, sondern bloß einspännig fährt; daß das ״Erbe Hirschs“ mit seinem weltweiten Horizont alle Götter- und Götzendämmerungen überlebt. Dieses Erbe laßt uns weiter pflegen! Wir wollen es ehrlich und rechtschaffen verwalten. Laßt uns weiter an seine Zukunft glauben! Wahrheit und Frieden sollen den Bund der Ehe schließen. Laßt uns Optimisten sein! Laßt uns Optimisten sein für uns, für Deutschland, für die ganze Welt! Laßt uns Vertrauen haben zu Gott, daß alles, was auf Erden geschieht, in irgend einem Zusammenhang, nach irgend einer Richtung hin nicht nur als gut, sondern als ״sehr gut“ sich erweisen werde. Ueber dieses ״sehr gut“ des Weltenschöpfers hat einst Schopenhauer die ganze Schale seines Ingrimms ausgeschüttet und so mit dem hellseherischen Blick des Hasses die in Gott wurzelnde Kraft des jüdischen Optimismus erfaßt. Laßt uns festhalten an dieser Note ״sehr gut“, mit der die Welt ihr berufenster Zensor versah! Wer kann sagen, daß er jemals ein Ereignis, das ihn freudig oder schmerzlich bewegte, in seinem wahren Sinn restlos durchschaut habe? Was sind das doch für merkwürdige Festtage gewesen, die wir im vergangenen Tischri erlebten! Am Rosch Haschanah die Ausschreitungen in Berlin, die nicht bloß einzelne Juden betrafen, die eine Beleidigung und Schmähung des ganzen Judentums waren. Wer hätte es für möglich gehalten, daß — nicht in einem polnischen oder rumänischen Dorfe — daß in Berlin Menschen leben, die vom Psalmensänger (68,31) ״Kälber unter den Völkern“ genannt werden, die ״um Silberstücke willen sich in Schmutz ׳erniedrigen“, käufliche Geseilen, die für Geld zu jeder Schandtat, zu Mord und Totschlag allezeit fähig und bereit sind! Du bist, o deutsches Israel, durch eigenes Erlebnis ein Wissender geworden. Du hast den ersten Judenpogrom in Berlin erlebt; was willst du eigentlich noch mehr erleben, um einzusehen, daß es für dich nur einen