Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 7)
- Belongs to
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3 werde. Wir fühlen uns berufen, in einer bitterbösen Zeit, die das thoratreue Judentum mit den allerschwersten Krisen geistiger, politischer, wissenschaftlicher Natur heimsucht, die zahllose Existenzen vernichtet, alten Familienreichtum wie Schnee an der Sonne zerfließen läßt, und die zugleich mit ihrem Ansturm gegen die geistige und politische Unabhängigkeit der Orthodoxie, selbst in den Kreisen der Besten, eine Verhängnisvolle Desperadostimmung erzeugt, mit unerschütterlichem׳ Optimistnus den Glauben an den endlichen Sieg unserer Sache zu verkünden. Wir glauben an die Macht der Wahrheit, die keine Wirtschaftskrise je erschüttern kann. Unsere Brüder im Osten leben in Verhältnissen, von deren Erbärmlichkeit die meisten unter uns noch immer keine Ahnung haben. Und sie tragen und halten durch, trotz alledem. Warum sollten wir in Deutschland nicht können? Eine Fülle von Idealismus und Optimismus lebt auch in unseren Kreisen. Zahlreiche Zuschriften aus unserem Leserkreise haben uns überzeugt, daß das Erscheinen unserer Zeitschrift in weiten Kreisen als eine moralische Notwendigkeit, als ein Gebot der Selbstachtung der deutschen Orthodoxie empfunden wird. Mögen andere Kreise, deren Judentum mit der Kurve der Wirtschaft steigt und fällt, weil dieses ihr Judentum von Anbeginn nur eine Dekoration ihres Lebens war und darum Sofort seine Existenzberechtigung verliert im Augenblick, wo es an diesem Leben nichts mehr zu dekorieren gibt — mögen diese Kreise heute jedes finanzielle Opfer für die Erhaltung jüdischer Gemeinden, jüdischer Literatur und Presse als überflüssigen Luxusaufwand betrachten, das orthodoxe Judentum in Deutschland ist noch immer, wenn es wirklich will und allen Verführungskünsten von innen und außen standhält, stark genug, um seine geistige und politische Mission allen Schwierigkeiten zum Trotz durchzutragen. Wir glauben an die Orthodoxie in Deutschland und lassen uns das Vertrauen zu ihrem guten Kern nicht rauben. In tiefer Verehrung schauen wir zu den echten Thorafürsten des Ostens empor, aber wir halten uns mit aller Energie fern und frei von einer Beweihräucherung des Ostens schlechthin, die nur zu einer durch' nichts gerechtfertigten Minderbewertung unseres eigenen deutschen Judentums führt. Und wir glauben an Hirsch’s Gemeinde und an ihre großen Ueberlieferungen. Wie einst das reiche Frankfurt, so muß