Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 6)
- Belongs to
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2 nach vielen Tagen noch eine freund'hhe We'le es dir wieder ans Ufer spülen wird!“ Dein Brot läuft dir nicht weg. Nur Mut, nur Hoffnung, so schlimm ist’s nicht, dem Mu+igen gehört die Welt. — Darum hat auch der Mutige, der Hoffnungsvolle, der Optimist immer Zeit: Zeit zum Essen, Zeit zum Schlafen, Zeit zum — Schulengehen und — vor allem — Zeit zum Lernen. Der Optimist hört nie auf zu lernen. Hat er in seiner Jugend nicht gelernt, dann holt er’s im Alter nach. Und er glaubt an die Zukunft der Thora. Er lacht die Pessimisten aus, die an der Lebenskraft der alten Thora verzweifeln und sie durch eine neue Thora zu verdrängen suchen. Hast du den Bund der Ehe geschlossen?“ Warst du Optimist genug, um an die Möglichkeit einer rechtzeitigen Ehe- Schließung zu glauben oder hast du als trübsinniger Pessimist deine Schultern für zu schwach gehalten, um das Joch der Ehe zu tragen? Daß man zur Eheschließung Optimist sein muß, das wird niemand leugnen, der mit Koheleth weiß, daß es Frauen gibt, die ״bitterer sind als der Tod“. Man muß aber schon ein ganz unverbesserlicher Pessimist sein, um nicht einzustimmen in den anderen Satz, den derselbe Koheleth' in den Sprüchen Salomonis als Regel auf gestellt hat: ״Wer ein Weib gefunden, der hat das Glück gefunden.“ Der Optimist glaubt an die Regel, der Pessimist an die Ausnahme. Und schließlich: ״Hast du das Studium mit Weisheit betrieben? Hast du den Satz erschlossen auf dem Grunde eines Satzes?“ Warst du in deinem Denken und Forsehen Optimist oder Pessimist? Der Optimist glaubt an die Tragfähigkeit und Fruchtbarkeit von Logik und Methode. Nur Pessimisten verabschieden in ihrem Denken und Forschen Logik und Methode und werfen sich, angewidert von der sögenannten Kälte und Nüchternheit logischer Klarheit und methodischer Ordnung, den ahnungsvollen Träumen der Mystik in die Arme. Mystizismus und Pessimismus stammen aus der gleichen Wurzel: aus der Verzweiflung an der Vernunft in der Welt des Geistes, der Natur und Geschichte. Ohne optimistischen Glauben an die Lebenskraft ihrer Grundsätze hätten wir diese Zeitschrift niemals herauszugeben gewagt. Ist es uns heute vergönnt, den zweiten Jahrgang dieser Zeitschrift zu eröffnen, so hoffen wir heute mit gleichem Optimismus, daß auch in Zukunft die werbende Kraft der Ideen, in deren Dienst wir stehen, sich1 nicht verleugnen