Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Belongs to
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Optimismus. Geleit wort zum zweiten Jahrgang. ״Wenn der Mensch vor seinem göttlichen Richter Rechenschaft ablegen muß über sein Tun und Lassen auf Erden, dann werden ihm verschiedene Fragen vorgelegt: Warst du ehrlich und rechtschaffen in deinem Handel und!Wandel? Hast du dir Zeit genommen für das Lernen der Thora? Hast du den Bund der Ehe geschlossen? Hast du gehofft auf das Heil? Hast du das Studium mit Weisheit betrieben? Hast du den Satz erschlossen auf dem Grunde eines Satzes? (Sabbath 31 a). Auf den ersten Blick scheint bloß eine dieser Fragen in den Rahmen unserer Betrachtung zu fallen: ״Hast du gehofft auf das Heil?“ Warst du Optimist oder Pessimist? Hast du in Not und Elend pessimistischer Verzweiflung dich’ überantwortet oder warst du immer groß und stark genug, um noch am Grabe deiner Pläne und Unternehmungen die Hoffnung aufzupflanzen? — Schauen wir aber näher zu, dann werden wir finden, daß alle diese Fragen den Optimismus als Grundlage und Voraussetzung eines wirklich wertvollen, lebenswerten Lebens betrachten. ״Warst du ehrlich und rechtschaffen in deinem Handel und Wandel?“ Hast du die Mahnung der Propheten beherzigt: ״Auf Rechtschaffenheit sollst du dich gründen; halte dich fern von Unrecht, denn du hast nicht zu fürchten“, oder hast du zu jenen ängstlichen Pessimisten gezählt, die mit dem Leben nicht anders fertig zu werden glauben, als indem sie ihm auf krummen Wegen beizukommen suchen? Hast du mit unerschütterlichem Optimismus an den Sieg des Rechtes und der Wahrheit geglaubt oder bist du mit kurzsichtigem Pessimismus an Treu und Glauben irre geworden? ״Hast du dir Zeit genommen für das Lernen der Thora?“ Ein Optimist hat immer Zeit, keine Zeit hat bloß der Pessimist. Das Leben ist hart, und der Kampf mit ihm nimmt viel Zeit in Anspruch. Wer möchte es leugnen? Wer aber das Leben allzuernst nimmt, verblutet daran. Ein gewisses Maß sorglosen Leichtsinns ist unbedingt vonnöten, wenn du nicht, vom Brotkämpf zermürbt, die Freude am Leben einbüßen willst. Traurig schüttelst du das Haupt und denkst: ״Mein Brot —“ Griesgram! ״Wirf hin dein Brot auf des Wassers Fläche, ob nicht