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Nahalat tsevi · 1931-09-01 · Heft 11-12 (September 1931) · p. Seite 413

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 11-12 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 413 (sequence 65)
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413 Chronik. Besonderes Verständnis für das Wesen der Orthodoxie hat seit jeher der hessische Volksstaat aufgebracht. Dank der verewigten Rabbiner L. und M. Marx זצ׳ל in Darmstadt herrschte dort bei den Behörden seit je völlige Klarheit über die abgrundtiefe Entfernung, die das liberale Judentum vom überlieferungstreuen, historisdien trennt. So war es dort schon lange Tradition, dem hessischen orthodoxen Judentum zum mindesten völlige Parität gegenüber den liberalen und neutralen Gemeinden und Verbänden zu wahren. Diese Einstellung hat nunmehr staatsrechtliche Form gefunden. Es ist der Hessische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden, Darmstadt, nach Beschluß des Gesamtministeriums vom 28. Juli (15. Aw!) als öffentlich-rechtliche Körperschaft, als Religionsgesell- Schaft im Sinne der Reichsverfassung anerkannt worden. Noch dazu vor dem ״neutralen" Landesverband, der seinen Sitz in Mainz hat! Neben die evangelische und katholische Kirche tritt somit in Hessen jetzt völlig unabhängig und selbständig der orthodoxe Verband, ln seiner Verfassung zeigt er durch eine Präambel, die klar und deutlich das Wesen des unabhängigen orthodoxen Judentums darstellt, und durch die Schaffung eines rabbinischen Rates, dem alle drei orthodoxen Rabbiner Hessens angehören, sein Wesen als religiöse Körperschaft im Gegensatz zur Verwaltungs- oder Stammesgemeinschaft des neutralen Lagers. Es ist zu hoffen, daß diese Anerkennung auch nach innen Früchte tragen wird und manche orthodoxe Gemeinde, die sich trotz des einhelligen Rufes der Rabbinen vom Verband fern hielt, den Anschluß nun zu ihm suchen wird. Das eine kann jedenfalls bereits jetzt als voller Erfolg der unabhängigen Orthodoxie gewertet werden: Daß die Thora öffentlich - rechtliche Heimstätte im gesetzlichen Leben Hessens gefunden hat! Das Werk, das einst wenige Männer begannen, als sie in Darmstadt in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine Keimzelle von jeder Vermischung freien altjüdischen Lebens schufen, ist damit nunmehr im ganzen Staatswesen öffentlich anerkannt. * Am 30. August wurde in Hamburg die Orgelsynagoge des israelitischen Tempelverbandes eingeweiht. Die neologen Kreise Hamburgs erblicken die Bedeutsamkeit dieses Tempels darin, daß durch die Vereinigung von Schule und Gesellfchaftsräumen im gleichen Gebäude, ein liberales ״Kulturcentrum" errichtet werden kann. Daß bei der Einweihung neben den liberalen Organisationen auch die Hamburger jüdische Gemeinde sich durch ihren Vorsitzenden beteiligte, ist weiter nicht verwunderlich, nachdem diese Gemeinde ihr סיוע לעוברי עבירה verfchiedentlich, unter anderem auch durch die Beihilfe zu diesem Bau, bekundet hat. Bei der Einweihung der Orgel- Synagoge nahm aber auch der AllgemeineRabbinerverband durch eine Ansprache Dr. Dienemanns und durch eine telegratifche Begrüßung seitens des Vorsitzenden Rabbiner Dr. Bäck teil Sind

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