Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 414 (sequence 66)
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4י4 die geseizestreuen Mitglieder des Allgemeinen Rabbinerverbandes damit einverstanden? ¥ Soeben erfcheint im Philo-Verlag ein Buch Der Jude im deutschen Kulturkreise von Rabbiner Felix Goldmann-Leipzig. Dieses Buch ist ungemein diarakteristifch für die Zerrissenheit und Hilflosigkeit, welche in der Seele jener deutfchen Juden herrfcht, die auf der einen Seite den zionistifchen Nationalismus mit Hilfe der Religion überwinden möchten, auf der anderen Seite aber nicht in der Lage sind, dasjenige zu charakterisieren, was eigentlich das Wesen ihrer liberalen Religion ausmacht. Zur Illustration dieses inneren Widerspruches seien einige Zitate aus dem Werke gebracht, die in ihrer Gegenüber- Stellung keines Rommentares bedürfen. ״Noch immer sieht man nicht ein, dass des jüdischen Nationalismus agitatorische Erfolge zu einem guten Teile darauf beruhen, dass er eine klare und feste Anschauung folgerichtig vertritt, während viele seiner Gegner nur den Antisemitismus und den Nationalismus bekämpfen, ohne sonst jüdische Einstellung zu haben und positive jüdische Arbeit zu leisten. Das befreiende Bewusstsein, dass es nur ein wahrhaft positives Judentum gibt, das der Religion, hat noch nicht die Gärung, das T 62 446 196 Tasten, das Suchen überwunden.“ (S. 170). * * * ״Diesem wogenden und wallenden, noch unklaren Ernpfinden, diesem unsicher tastenden Verlangen die sichere Richtung zurReligion zu geben, das bedeutet die Überwindung des Nationalismus!“ (S. 171). ¬ו¬ * * ״DieOrthodoxie stellte sich bewusst dem Ansturm des Lebens entgegen, verlangte die unbedingte Herrschaft über Geist und Lebensform und stiess so die Scharen der Suchenden ab. Der Liberalismus aber kam den wissenschaftlichen Forderungen der Zeit so weit entgegen, dass er sein eigenes Wesen verleugnete und fast den Unterschied zwischen Judentum und Freidenkertum verwischte.“ (S. 140). * * * ״Und wenn man von christlicher wie von jüdischer Seite auf die starken Unterschiede der Form und des Glaubens weist,^ die angeblich die Entfernung vom orthodoxen zum liberalen Juden viel grösser machen als die zwischen einem liberalen Juden und einem liberalen Protestanten, s o kann nur ein ganz oberflächlieh oder böswillig Urteilender das behaupten.“ (S. 128). Obwohl der Autor sich ziemlich viel mit der Orthodoxie befchäftigt, fcheint ihm die Gedankenwelt des Groben, dessen Namen unsere Zeitfchrift trägt, verfchlossen zu sein. Vielleicht hätte er hier den Weg gefunden, den er jetzt vergeblich sucht. Redaktionsschluss der nächsten Nummer: 25. Oktober 1931 — 14. Marcheschwan 5692.