Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 407 (sequence 59)
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407 Nation zu retten und ihrer Zukunft die Wege zu bahnen? Glauben Sie, daß ohne diese Juden jemals die Balfour-Erklärung gekommen wäre? Ich kann die Tatsachen nicht ändern. Ich kann mit Gewalt meine eigene religiöse Ueberzeugung meinen Brüdern nicht aufdrängen, mein eigenes religiöses Erlebnis ihnen nicht verschaffen. Ich muß die jüdische Nation in dem Zustand hinnehmen, in dem ich sie einstweilen vorfinde. Alfred: Erlebnis? Hurtig: Ja. Warum fragen Sie? Alfred: Wessen Erlebnis? Hurtig: Mein Erlebnis. Wessen sonst? Alfred: Dann verstehe ich alles. Hurtig: Was wollen Sie damit sagen? Alfred: Ist Ihnen auch die jüdische Nation Erlebnis? Hurtig: Natürlich. Alfred: Ist kein Unterschied zwischen der jüdischen Nation als Erlebnis und der jüdischen Offenbarung als Erlebnis? Grün: Gewiß muß da ein Unterschied sein. Die jüdische Nation ist ein Faktum, das wir tagtäglich erleben. Ihre Existenz ist geradezu nachweisbar, soweit überhaupt von geschieht ichen Erscheinungen Nachweise verlangt werden können. Die Offenbarung hingegen ist Sache des Glaubens, meinetwegen des erlebten Glaubens. Alfred: Sind Sie der gleichen Meinung, Herr Hurtig? Hurtig: Ich meine, auch die jüdische Nation muß man erleben. Was nützt die kalte Erkenntnis ihrer Existenz, wenn sie nicht den Willen entflammt? Alfred: Ist die jüdische Nation eine objektive Tatsache? Hurtig: Ja. Alfred: Ist die Offenbarung eine objektive Tatsache? Hurtig: Für mich: ja. Grün: Für mich: nein. Hurtig: Das brauchen Sie nicht zu sagen, Herr Grün. Das ist uns doch bekannt. Alfred: Glauben Sie daran, Herr Hurtig, oder wissen Sie es? Hurtig: Ich weiß es. Denn ich habe es erlebt. Sehen Sie, Herr Roden, es gibt eben zwei Quellen der Erkenntnis: die auf Verstand und Vernunft aufgebaute Wissenschaft und das Erlebnis. Objektiv sind meines Erachtens die Gegenstände beider. Die Gegenstände der Wissenschaft sind freilich objek-