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Nahalat tsevi · 1931-09-01 · Heft 11-12 (September 1931) · p. Seite 394

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 11-12 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 394 (sequence 46)
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394 enpersönlichkeit verdrängt, und ein egoistischer Frauentyp erzeugt, dem so gar kein kultureller Wert zukommt. Und schließlich leidet auch innerhalb der Familie das Kind. Die geringe Kinderzahl und speziell das einzige Kind bietet für die gesunde psychische und physische Ent- Wicklung, für die soziale Einstellung des Kindes eine Unsumme von Gefahren, die jeder Pädagoge und jeder Kinderarzt immer wieder beobachten kann. Für die Eltern entspringt aus solcher Kinderbeschränkung eine ständige Quelle der Angst um ihr Kind, die sie bis ins Grab geleitet. Wie viele Eitern wünschten in der Einsamkeit des Alters eine Schar von Kindern und Enkeln. Zu spät. Auch das alleinstehende Kind selbst ist gär oft fürs Leben zur Einsamkeit verdammt, und auf diesem Wege der Einsamkeit denkt es mit Bitterkeit an die Schuld der Eltern, die es so gut gemeint und doch so schlecht vollführt haben. Die Familie ist nicht das einzige Kulturgut, das durch die Geburtenverhütung schwer betroffen wird. Diese Geburten- Verhütung mit ihren Methoden bildet vielmehr häufig den Ausgangspunkt einer allgemeinen ethischen Umwertung. Grade auf dieses ethische Problem wurde auf dem diesjährigen Gynäkologen-Kongreß von Geheimrat von Franque hingewiesen. Er erblickt in der Konzeptionsverhütung ein Tun, das dem folgenlosen Geschlechtsgenuß des einzelnen Vorschub leiste und darüber die Zukunft des Volkes vergesse, ln Zeiten der Wirtschaftsnot müsse sich der ethische Hochstand eines Volkes durch ״Beherrschung des ,Trieblebens“ offenbaren; Enthaltsamkeit sei die Parole; sie sei das Ideal, das auch durch den Arzt gefördert werden müsse.! Mehr als irgendeine Volkskultur ist die jüdische Kultur dabei gefährdet. Die ständige Konflik!Stellung zum jüdischen Sexualgesetz bewirkt einen circulus viiiosus, aus dem es schließlieh kein Entrinnen mehr gibt. Die Ehe hört auf, der Fort- Pflanzung des Menschengeschlechts zu dienen, sie wird zur Helferin der Befriedigung sexuellen Verlangens degradiert. Auch dabei gibt’s dann keinen Halt. Für den Sexualtrieb bedarf es ja gar nicht mehr eines ehelichen Bundes — und so schreitet die Dekadenz von Stufe zu Stufe abwärts. Verfall der gesamten Kultur ist die unabwendbare Folge einer solchen Entartung. Hellas, Rom, Berlin und die deutschen Juden! Will man statt des kulturellen Verfalls einen kulturellen Aufstieg, so muß der bisherige Weg der Geburtenbesebrän-

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