Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 392 (sequence 44)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551387-2551396--0436-2551933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
391 weniger die Rede ist. So ging einst die griechische und römisehe Welt zu Grund. So lösen sich auch in der Gegenwart gewisse Schichten auf, wie die Kapitel über Berlin und die Juden zeigen.“ 1 Wir sind weit davon entfernt, uns mit den Voraussetzungen Kahns über die Grundlagen der Kultur zu identifizieren. Geht doch Kahn im Grunde genommen von einem individualistischen Standpunkt aus, der in dem Glück des Einzelnen das Endziel der Kultur erblickt. Zwischen solcher Einstellung und der jüdischen Auffassung von Kultur kann es keine Verständigung geben, wie Kahn selbst hervorhebt. Es ist nur interessant, daß Kahn selbst von seinem kulturellen Standpunkt aus den Appell an seine vermögenden Volksgenossen richten muß, ״ihren falsch verstandenen Egoismus aufzugeben und ihre Rasse auch quantitativ zu erhalten. Davon aber kann beim Ein- und Zweikindersystem nicht die Rede sein. Indessen — was nützen solche Wünsche?!“ Dieses ehrliehe Bekenntnis sieht doch!einer Bankrott-Erklärung einer auf individuelles Glück gestellten Kultur aufs Haar ähnlich. Vom Egoismus fort will der jüdische auf der Thorah beruhende Kulturbegriff den Juden zur kulturellen Aufgabe führen. Gewiß wird man nicht so weit gehen wollen, jeden Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wohlergehen und kulturellem Stand zu bestreiten. Wie Wohlstand grade zum Kulturniedergang führen kann, ist vielfach1 bewiesen — und der Geburtenrückgang vor dem Kriege ist ein Wegzeichen auf diesem Abstieg. Auf der anderen Seite aber wird man für Kultur ein Existenzminimum voraussetzen müssen. Wie aber dieses ״Minimum“ aussieht, das gerade hängt ja von der Kulturauffassung, letzten Endes von der Weltanschauung ab. Wie in drückendster wirtschaftlicher und politischer Lage sich eine Blüte des Kulturlebens entfalten kann, zeigt der Blick auf die deutschen Juden im Mittelalter. Mit diesen unseren Vorfahren können wir uns weder hinsichtlieh der wirtschaftlichen Not, noch hinsichtlich des Gipfels des Geisteslebens messen, vor dessen Werken wir heute noch bewundernd stehen. Gewiß wird auch damals nicht ein jedes Individuum Kulturträger in eminenter Weise gewesen sein. Und doch' war grade die von Geburtenfreudigkeit beseelte, ihrer Aufgabe bewußte breite Masse die Voraussetzung dafür, daß in ihrer Mitte