Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 391 (sequence 43)
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Auffassung moderner Hygieniker, geneigt sind, beim Rate zur Empfängnisverhütung Weitherzigkeit walten zu lassen. Es gehört ja für manchen Arzt in der Tat schon ein gutes Stück Selbstüberwindung dazu, sich im Gegensatz zu der eigenen hygienischen Ueberzeugung in eine strengere religiöse Auffassung hineinzudenken. Gar leicht kann der eigenen Anschauung zuliebe unbewußt sogar eine Lebensgefährdung attestiert werden, wenn sie die natürliche Lebensgefährdung, die ja bei jeder Geburt in Betracht zu ziehen ist, kaum übertrifft. Derartige psychologische Momente werden doch manche religiöse Frau veranlassen, grade für diese Begutachtung solche Aerzte zu Rate zu ziehen, die die ernste religiöse Einstellung mit ihr teilen. Die Begutachtung liegt beim Arzt, die Entsch'eidüng beim Rabbiner. Für seine gewissenhafte Entscheidüng wird ausschließlich maßgeblich sein, was Thoragesetz und seine berufenen Interpreten festgelegt. Es ist dankbar zu begrüßen, daß Rabbiner Dr. Klein-Berlin es in diesen Blättern (Heft 8) unternommen hat, weitere Kreise über die grundlegenden Prinzipien auf diesem Gebiete aufzuklären. Im An- Schluß an ein von ihm gehaltenes Referat hat die Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands den zusammenfassenden Beschluß gefaßt: Geburtenregelungen bedeuten im allgemeinen einen schweren I ss u!r Nur bei ernster Gefahr für die Gesundheit können solche Maßnahmen vor unserem Gewissen gerechtfertigt werden. Niemals aber kann ein einzelner in dieser Frage nach persönlichen Erwägungen eine Entscheidung treffen, sondern muß den o b j e k - tiven halachischen Rat seines Rabbiners einholen. IV. Die kulturelle Indikation. Die wirtschaftliche Hebung der Familie durch Beschränkung der Kinderzahl ermöglicht ein gesteigertes Kulturleben. ״Ein Mitgenießen an den Kulturgütern ist für Angehörige einer kinderreichen Familie aus dem breiten Volke schwer denkbar“ meint Kahn. Er selbst wirft aber demgegenüber die Frage auf, ob vom Standpunkt eines kulturellen Aufstiegs der Geburtenrückgang restlos zu begrüßen wäre, und gibt die Antwort: ״Eine auf die Spitze getriebene Geburtenbeschränkung gefährdet das Kulturleben deshalb, weil zwar die ״Kultur“ steigt, vom ״Leben“ aber immer