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Nahalat tsevi · 1931-09-01 · Heft 11-12 (September 1931) · p. Seite 390

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 11-12 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 390 (sequence 42)
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590 das sexuelle Problem der jüdischen Jugend lösen und vertieft das sexuelle Problem in der jüdischen Ehe und gefährdet darüber hinaus den Nachwuchs. Auch beim Ein- oder Zweikindersystem, das mittels künstlicher Empfängnisverhütung erzielt wird, gibt es der gesundheitlichen Klippen genug, an denen die Ehe scheitern kann. Ebenso wie dauernde Abstinenz bei manchem sensiblen Mann nervöse ,Krankheitssympitome erzeugen kann,- wird bei der von Natur aus sensibleren Frau die dauernde Inaktivierung der fruchttragenden Organe ungünstige Umstimmungen geistiger und körperlicher Art im weiblichen Organismus leicht zur Folge haben. Die natürliche Aufgabe der Frau läßt sich eben auf die Dauer nicht ungestraft gewaltsam unterdrücken. All diese gesundheitlichen Betrachtungen haben einen Qesundheitszustand der Frau zur Voraussetzung, der von ernster Krankheit frei ist. Wie in solchen Krankheitszuständen zu verfahren ist, kann naturgemäß nur von Fall zu Fall entschieden werden. Der Arzt stellt gewissenhaft die Prognose, und ebenso gewissenhaft gibt danach der Rabbiner die halachische Entscheidung. Die Prognose des Arztes wird abhängig sein von seiner ärztlichen Diagnose, zweifellos werden aber noch zwei andere Faktoren mitspielen, auf die grade auf diesem Gebiet besonders zu achten ist: die gegebenen wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie und die persönliche Einstellung des Arztes zur Geburtenverhütung. Wir hatten gesehen, daß wirtschaftliche Tatsachen allein keine Berechtigung zur Anwendung empfängnisverhütender Mittel bieten, als verschärfende Faktoren für Krankheitszustände lassen sie sich nicht ausschälten. Eine leidende Frau mag ihre Kinder ohne Gefährdung ihres Lebens austragen, wenn sie gut situiert ihrer Ruh'e und Gesundheit leben kann. Die mit dem gleichen Leiden behaftete Frau wird aber ernstlich gefährdet sein, wenn ihre Wirtschaftliehe Situation sie zwingt, ohne Schonzeit vor und nach' der Entbindung tagaus, tagein ihre anstrengende Arbeit zu verrichten. Grade solche Grenzfälle — im Leben sind sie ja so häufig — zeigen die Bedeutung der Gewissenhaftigkeit des begutachtenden Arztes. Es kann nicht verschwiegen werden, daß hier viele Aerzte, veranlaßt durch die weitherzige

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