Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 383 (sequence 35)
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Zur Illustration dieses Satzes mag man überlegen, wie viele Genies der Menschheit verloren gegangen wären, wenn die heute übliche Geburtenbeschränkung bereits früher Anwendung gefunden hätte. Man kann hinweisen ״auf Namen wie Beethoven, Kant, Schiller, Herder, Scharnhorst usw. usw., deren Werke der Menschheit fehlen würden, wenn ihre Eltern dem Zwei- oder gar dem Einkindersystem gehuldigt hätten; welche Kulturgüter wären uns verloren gegangen!“ Kahn sucht diese einleuchtende Argumentation allerdings zu widerlegen, indem er auf die hohe Kindersterblichkeit in jenen Zeiten hinweist, die manchen genialen Menschen zum Opfer gehabt haben mag; er rechnet auch mit der Möglichkeit, daß viele Begabungen durch Mangel aller Art im Keime erstickt sein mögen. Sind das stichhaltige Einwände? Trotz der hohen Kindersterblichkeit waren die absoluten Kinderzahlen der einzelnen Familie immer noch ein Vielfaches unserer Zeit, und bei der Möglichkeit, daß ein genialer Keim zu Grunde ging, handelte es sich eben doch um ein Vielleicht, es war doch genau so gut seine gesunde Entwicklung möglich. Diesem Vielleicht setzt die heute übliche Methode ein sicheres Todesurteil von vornherein entgegen, indem sie allen genialen Keimen vom ersten oder zweiten Kind an von vornherein jede Entwicklungsmöglichkeit roh und blind abschneidet. ״Laßt uns lieber in die von Gott gefügte Schicksalsgewalt fallen, durcB Menschenhand mag ich nicht fallen.“ Das findet auch hierbei seine Anwendung, wenn eine blinde Menschheit sich anschickt, die ,Vorsehung spielen zu wollen. Eine Vernachlässigung der Sorge für die Quantität muß auch im Sinne der ״Qualitäts-Theoretiker“ um so verheerender wirken, als unsere positiven Fähigkeiten zur Erzeugung einer wertvollen Nachkommenschaft bisher nur sehr gering sind. Gewiß — man wird bei der Eheschließung einen gesunden Partner suchen, bei schwerer erblicher Krankheitsbelastung wird man eine Nachkommenschaft nicht für nützlich erachten. Aber selbst in solchen Fällen wird man sich hüten müssen, ein prophetisches Urteil abzugeben und ein absolutes Veto einzulegen. Jedenfalls wird man jener Auffassung entgegentreten müssen, die man heute vielfach aus dem Munde junger Paare hört: man will nicht die Verantwortung dafür übernehmen, daß mit den eigenen Fehlern und Schwächen ein Glied der neuen Generation belastet werde. Das mutet als be-