Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 374 (sequence 26)
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374 anals;vergessen, daß das Thora-Ziel auf Erden eben ein Ideal ist So selbstverständlich es jedem ist, der sich mit der תורה ernsthaft beschäftigt, daß das verstandesmäßige Eindringen, Erkennen und Erfassen der göttlichen Thora niemals vollkommen erreicht und immer erstrebt werden muß, so müßte es jedem eine Tatsache sein, daß die Sinaihöhe der תורה eben ein Hochziel ist, dem jeder zuzustreben hat und bei dem es eine außergewöhnliche Anmaßung wäre, wenn jemand von sich glaubte, er habe es erreicht. Gerade diejenigen, denen ein anderer nicht mehr Ermahnungen zu ־erteilen hat, die in jeder Hinsicht nachweisbar ihre Pflicht erfüllen, müssen erst an dieser Stelle, wo die Erziehung durch andere aufhört, mit der Erziehungsarbeit an sich beginnen. Keine .מצוד die in ihrer Erfüllung nicht noch vollkommener sein, kein Verbot, dessen Beachtung nicht noch ׳sorgfältiger ausgeführt werden könnte. Eine dauernde Arbeit hat ein jeder an sich zu leisten, um in der Erfüllung der תורה immer mehr dem unendlich fernen und doch so nahen Ideal näher zu kommen, um immer mehr die Stufenleiter zu erklimmen, die unsere Weisen als den Weg zum רוח הקודש bezeichnen und als dessen Abschluß die einstige נאולה steht. Eine immerwährende Selbstarbeit und Selbster- Ziehung, dauernde Unzufriedenheit mit sich selbst, ständiges Messen der erreichten Stufe an dem noch zurückzulegenden, niemals aber an dem zurückgelegten Weg. Ein Vorwärtsschreiten, das sich fernhält von jener Albernheit, sich etwa selbst als Maßstab für andere hinzustellen, sich fernhält von der vorlauten Forderung, diese Stufenleiter etwa korporativ zu erklimmen. Das die Mahnung beachtet הצנע לכת עם א׳ Eine Selbstarbeit veranlaßt durch die Ueberzeugung, daß es Iächerlieh ist, auf der einen Seite überall ״Qualitätsarbeit“ zu fordern, bei der יראת שמים aber mit einem erreichten Status sich zu begnügen, und sei es selbst ein recht beträchtlicher Status1. Dieses Durchdrungensein von der Tatsache, daß es auch in יראת שמים so etwas wie eine Virtuosität gibt, ist uns in Deutschland ziemlich verloren gegangen, ist uns verloren gegangen infolge der oben angeführten Gründe, der Schwierigkeit, in Westeuropa überhaupt der תורה die Treue zu halten und der berechtigten Freude darüber, wenn es einmal gelungen ist. Ein Mehr erscheint dann als zu viel. Während der Führerschaft unserer heimgegangenen großen Rabbiner זצ״ל entstand ein Typus von solchen, deren Familie sich nun immerhin schon seit Ge-