Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 373 (sequence 25)
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m Hirschs den Sieg davöntrug, ließ in der deutschen Orthodoxie ein Siegerbewußtsein entstehen, das bei ihren einzelnen Qliedem die Meinung aufkommen ließ, sie seien bereits am Ziel angelangt, über das hinaus nichts mehr zu erreichen sei. Die unermeßlichen Schwierigkeiten, mit denen es1 immer weiter verbunden ist, in Westeuropa der תורה gemäß zu leben, die Widerstände, die sich in immer höherem Maße der primitivsten Erfüllung des Gottesgesetzes entgegenstellen, der Tribut an den Abfall, der der Orthodoxie immer noch nicht erspart bleibt, läßt in denen, die all diesen Gefahren glücklich entronnen sind und denen es womöglich schon gelungen ist, auch für ihre Kinder diese Gefahren zu bannen, ein durchaus verstandliches Gefühl des Stolzes entstehen, eines Stolzes, der gar leicht zur Ansicht neigt, daß mehr nicht erreicht, ja womöglich nicht einmal mehr gefordert werden kann. Wenn jemand inmitten der Thora-losen westeuropäischen ’Kulturwelt streng seinen Sabbat hält, sich schwerste Entbehrungen durch Einhaltung der Speisegesetze auferlegt und nichts tut oder unterläßt, was der anspruchsvollste Raw von ihm fordern kann — gibt es da denn noch mehr? Hat ein solcher gewissenhafter Jehudi nicht sein Ziel erreicht? Das etwa sind die Gedankengänge eines seiner Pflicht durchaus bewußten orthodoxen Juden in Westeuropa. Hat er nun nicht recht? Haben etwa Rabbiner Hirsch זצ׳ל oder Rabbiner Breuer זצ״ל, dessen markige Kanzelworte uns allen ja noch in Erinnerung sind, mehr gefordert als שמירת שבת, gewissenhafte Einhaltung der כשרות und טהרה-Gesetze u. s. w.? Kann denn jemand, der sich angesichts der einzigartigen שבת שובה - Predigten unseres heimgegangenen Raw זצ״ל prüfte und von sich fand, daß er keinem der vorgebrachten מוסר- Worte zuwiderhandelte, nicht tatsächlich mit sich zufri:den sein? Forderte unser Raw זצ״ל nicht schlechterdings alles, was ein Raw irgendwie von seiner Gemeinde fordern kann? — Nun denn, die Anforderungen unseres heimgegangenen Rabbiners זצ״ל an seine Gemeinde hätten allerdings wohl kaum überboten werden können. Es stände zweifellos besser um die deutsche Orthodoxie, wenn alle Rabbiner auch nur einen Teil des Verantwortungsbewußtseins gegen das Gottesgesetz und ihre Gemeinde entwickelten, wie dies sich in den Mussarworten Rabbiner Breuers an seine Gemeinde darstellte. Was ein Rabbiner und Führer fordern kann — es wurde von unserem Raw gefordert. Darüber hinaus aber dürfte der Einzelne nie-