Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 362 (sequence 14)
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362 dahingestellt — mitten im Kampf der Vorbote einer Kultur- Wandlung sein. Sie hat in ihrem Moiivenbereich etwas Irrationales, genau so viel, wie die Geschichte der Juden überhaupt. Und es gereicht vielen jüdischen Zeitgenossen zur Ehre, daß unendlich viele gerade aus diesem Irrationalen ihre alle Dämme überflutende Begeisterung schöpften; sie umkleideten die Balfour-Deklaration mit einem religiösen Nimbus, sie gossen in dieselbe den Glauben, daß die Dinge der Menschheit nicht durch brutale Machtmittel entschieden werden. Im obigen Sinne also erschien ihnen die Balfour-Deklaration durchaus aniimilitaristisch, und Jabotinskys Theorien bilden den denkbar unzulänglichsten Interpreten. Im allgemeinen Zionismus aber ringen zwei Kulturanschauungen miteinander. Man dürfte es ruhig wagen, dies laut zu sagen, und man brauchte sich dessen gar nicht zu sChämen. Die besten flüstern es. Da ist die altjüdische Kultur, die den Militarismus (immer im obigen Sinne aufzufassen) leugnet und abweist, und da ist das verlockende, sicherlich nicht reizlose Sich-Einfügen in das Spiel der Machtsphären der Umweit. Eigentlich hätte dieser Gedankengang alle Verhandlungen und Reden des jüngsten zionistischen Kongresses beeinflußen, wenn nicht gar beinhalten müssen; das war zu unserem Bedauern nicht der Fall. Man stand unter dem Zeichen der Tragik des Mißlingens; man hätte aber — und das wäre eine Tat der jüdischen Kultur ersten Ranges gewesen — sagen sollen, daß nur ein — Irrtum mißlungen ist. Daraus konnte das spezifisch jüdische Irrationale wieder einen neuen Frühling schöpfen. Weil man aber diese Tiefe entweder nicht ahnte, oder gar ׳scheute, deshalb und nur deshalb so viele Episoden dieses Kongresses, die jeder jüdischen Seele Schmerz bereiten. Ein widerliches Spiel, und Pacifici hatte wirklich Recht, wenn er von dem Allmächtigen als dem ״Großen Vergessenen“ sprach. Kein Wunder, wenn seine Worte, das Pochen des Irrationalen an der Pforte des Kongresses, auch nicht eine Spur von Beifall ausgelöst hat. Seltsamerweise blieb es aber einem sonst konservativen Manne Vorbehalten diesem Feldzug gegen jüdisches Erbgut die Krone aufzusetzen. Ein eigenartiges Gegenspiel. Als der Zionismus um die Seelen zu werben begann, da sprach Zangwill sein hartes Wort gegen R. Jochanan ben Sackai, der ,ja bekanntlich das ganze jüdische Volkstum im Irrationalen ver-