Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 9-10 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 336 (sequence 52)
- Belongs to
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3 36 mocht, sich gegenseitig zu töten und auszuplündern. Ich bin nicht so erbaut von der Weltgeschichte, daß ich es als ein Lebensziel erachten könnte, nun auch die jüdische Nation in die Arena einzuführen. Ich bin eher für Abbau der vorhandenen Nationen als für Aufbau einer neuen. Grün: Und die Not Ihres Volkes läßt Sie kalt? Alfred: ,Den Armen und Bedrückten will ich helfen, wo immer ich es vermag. Aber ist der Nationalismus das taugliehe Mittel? Man soll den Teufel nicht mit Beelzebub austreiben. Am Nationalismus klebt das Blut der Menschheit. Wie ein Irrsinn erscheint mir die Geschichte der Menschen mit ihren ewigen Kriegen, mit ihrer ewigen Knechtung der Schwachen,!mit ihrem unendlichen Leid und ihrer unsäglich geringen Freude. Ich verstehe den Sinn meines Lebens nicht, das im Frieden der Wirtschaft verkauft und im Krieg den Machthabern der Nationen ausgeliefert ist. Und nun kommen Sie und deuten mir als Sinn meines Lebens, daß ich das jüdische Volk so gesund machen soll wie das englische oder selbst nur das deutsche. Ist denn das englische gesund? Leben dort glückliche und zufriedene Menschen? Sind Jammer, Leid und Elend dort geringer? Ist man der Wirtschaft dort weniger versklavt? Dem Krieg dort weniger ausgesetzt? Wäre es dann nicht schon richtiger, daß wir uns der großen Weltbewegung zur Befreiung der Armen und Bedrückten anschlössen, statt durch Neubelebung des jüdischen Nationalismus die Raubtiere der Erde um eines zu vermehren? Grün: Sie sprechen ja wie ein Kommunist! Alfred: Ich spreche wie ein suchender Mensch. Ich bin noch gar nicht festgelegt. Ich will wissen, wie ich mein Leben führen soll. Ich selber kann dazu nur den guten Willen mitbringen. Und nun verweisen Sie mich auf die jüdische Nation. Ja, kann denn die jüdische Nation mir sagen, wie ich zu leben habe? Sie wollen mich in die große Politik stürzen. Ich vermag aber aus der Geschichte nur zu lernen, daß gerade die Politiker mit ihrem Nationalismus nach außen und ihrer Machtanbetung nach innen das größte Unheil angerichtet haben. Bitte, sagen Sie mir doch: was lehrt mich die jüdische Nation mehr und anderes als die englische und die deutsche? Auch die englisch'e und die deutsche stellen sich vor ihre G'ieder und rufen sie und wollen von ihnen als Selbstzweck erachtet sein. Wenn