Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 9-10 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 335 (sequence 51)
- Belongs to
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nur!die Lehren, die er mir übermittelt? Liebe ich denn nicht jauch seine ganze Art zu reden und zu sein, sein ganzes Menschliche in Beinen tausend einzelnen Zügen, und wäre es selbst die besondere Weise, wie er seine Pfeife raucht? Läßt sich denn auch das noch als religiös bezeichnen? Und schließlich und endlich: Sagen nicht die Weisen unseres Volkes klipp und klar: Auch wenn er sündigt, Jißrael bleibt er? Sagen sie nicht in ihrer lodernden Liebe zu unserem Volk, daß auch er noch der Verdienste voll sei, wie ein Granatapfel der Kerne? Und finden wir nicht all diese Sätze im Zionismus herrlich bestätigt, der jüdische Mensehen, völlig der Religion entfremdet, zu einem hingebenden Opfermut für die jüdische Sache entflammt hat, der buchstäblieh bis zur Selbstentäußerung geht? So tief bedauerlich die religiösen Gegensätze auch sind, eines haben sie dennoch gebracht: die Erkenntnis der nationalen Einheit des Judentums, die selbst in der Zerstreuung stark genug ist, sogar den Untergang der religiösen Einheit zu überdauern. Sie wird sich, dessen bin ich sicher, als stark genug erweisen, auch die religiöse Einheit dermaleinst wieder herzustellen. Grün: Inzwischen aber wollen wir, wie immer auch unsere Beziehung zur Religion ist, gemeinsam am Aufbau Palästinas oder, was dasselbe ist, an der Rettung unserer Nation, an ihrer Genesung von der Krankheit des Golus, arbeiten. Wollen Sie nicht mithelfen, Herr Roden? Können Sie abseits stehn, wenn vielleicht die Schicksalsstunde Ihrer Nation geschlagen hat, eine nie wiederkehrende Möglichkeit greifbar vor Ihnen sich auftut? Ihre Nation ruft Sie, Herr Roden! Alfred: In wessen Namen ruft sie? In wessen Namen verlangt sie mein Leben? Grün: Ihre Nation ruft, und Sie fragen? Alfred: Warum so pathetisch? Nehmen Sie es mir nicht übel, aber es fehlte gerade noch, daß Sie die jüdische ״Wacht am Rhein“ anstimmen oder ״Juda, Juda über alles“. Grün: Was heißt das? Alfred: Ich hätte gerne von Ihnen, meine Herren, Näheres über das Judentum gehört. Als Antwort verweisen Sie mich auf den Nationalismus. Die jüdische Nation soll ich aufbauen helfen. Ich aber finde, daß die Nationen die Menschen immer wieder nur auseinander gebracht haben. Der Nationalismus erfüllt die ganze Weltgeschichte. In seinem Namen hat man die Menschen irre geführt und sie stets dazu ver-